Cutbercht-Codex (Evangeliar)

Cutbercht-Codex (Evangeliar)

In: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788. Katalog der Gemeinsamen Landesausstellung des Freistaates Bayern und des Landes Salzburg in Rosenheim/Bayern und Mattsee/Salzburg vom 19. Mai bis 6. November 1988. Herausgegeben von Hermann Dannheimer und Heinz Dopsch. – Salzburg: Land Salzburg, Amt der Salzburger Landesregierung; München: Prähistorische Staatssammlungen 1988. 468. 8°. Objekt-Nr.: R. 115, S. 443.

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Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien), Cod. Lat. 1224, fol. 17v
Cutbercht-Codex (Evangeliar)

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


Salzburg um 784; 209 Blätter, 313 x 238 mm.

Das von dem Angelsachsen Cutbercht in insularer Halbunziale und Minuskel geschriebene Evangeliar ist mit vier Evangelistenbildern, fünf großen Initialen und einer achtseitigen Kanonfolge ausgestattet. Die Ornamentik der Initialen, Kanontafeln und Rahmen der Evangelistenbilder enthält einerseits spätantike und frühmittelalterliche kontinentale Motive, andererseits insulare Elemente. Die ersten drei Evangelistenbilder folgen dem gleichen Bildtypus; abweichend ist die Johannes-Miniatur gestaltet. Sowohl die Ikonographie der
Evangelistenbilder als auch der Evangelientext sprechen für eine ravennatische Vorlage des 6. Jahrhunderts. Als Parallele für die Johannes-Miniatur sind spätantike Autorenbilder wie das des Dichters Vergil im Vergilius Romanus (um 500, Biblioteca Vaticana Rom, Vat. Lat. 3867) genannt worden. Die Handschrift kam 1806 mit den Beständen der Salzburger Dombibliothek nach Wien.


Andreas Weiner


Literatur: Codices Latini Antiquiores X, Nr 1500. – Willibrod NEUMÜLLER, Kurt HOLTER, Der Codex Millenarius (= Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs 6, Linz 1959), S. 114ff., 153ff. u. 186f., Abb. 9f., 21f., 50-53. – Jonathan James Graham ALEXANDER, Insular manuscripts. 6th to the 9th century (London 1978), S. 62f. u. Abb- 180-187. – Bernhard BISCHOFF, Die südostdeutschen Schreibschulen und Bibliotheken in der Karolingerzeit, Teil II (Wiesbaden 1980), S. 95f. – Katharina BIERBRAUER, Die Buchmalerei in Salzburg und Bayern zur Zeit des hl. Virgil, in: Virgil von Salzburg (Salzburg 1985), S. 251ff.