Älterer Lindauer Buchdeckel

Älterer Lindauer Buchdeckel

In: Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788. Katalog der Gemeinsamen Landesausstellung des Freistaates Bayern und des Landes Salzburg in Rosenheim/Bayern und Mattsee/Salzburg vom 19. Mai bis 6. November 1988. Herausgegeben von Hermann Dannheimer und Heinz Dopsch. – Salzburg: Land Salzburg, Amt der Salzburger Landesregierung; München: Prähistorische Staatssammlungen 1988. 468. 8°. Objekt-Nr.: R. 101, S. 441.

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Leihgeber: Pierpont Morgan Library (New York)
Älterer Lindauer Buchdeckel

© Pierpont Morgan Library New York


Vermutlich letztes Drittel 8. Jahrhundert, 34,4 x 26,2 cm.
Pierpont Morgan Library New York, Ms. I; Kopie Römisch-Germanisches Zentral-Museum Mainz.

Es ist unklar, wann der kostbare Bucheinband in den Besitz des schon 810/820 gegründeten Damenstifts in Lindau gelangte, nach dem er seinen Namen trägt; nach mehrfachem Besitzerwechsel nach der Säkularisation 1803 gelangte er an seinen heutigen Aufbewahrungsort.
Der Buchdeckel bildet die hintere Einfassung eines in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts in St. Gallen geschriebenen und gebundenen Evangeliars, wozu er als älterer Einband in Zweitverwendung in seinem Format angepaßt werden mußte; jüngere Hinzufügungen sind auch drei der vier Edelsteine auf quadratischen Blechen und das gleichartige Kreuzzentrum mit Inschrift sowie die in den Ecken befestigten Plättchen mit getriebenen Darstellungen der Evangelistensymbole. Im Zentrum das Kreuz mit sich verbreiternden Armen; darin – als kleines Kreuz – je eine Halbfigur Christi in Grubenschmelz und auf den vertikalen Armen je ein Medaillon mit Tieren im sogenannten nordischen Greifentierstil, beides mit Almandinrahmungen, ferner u. a. Vogelfiguren in Grubenschmelz. Die vier großen Felder in den Kreuzzwickeln sind in durchbrochener Arbeit mit Tierornament im anglo-karolingischen Stil gefüllt. Die unterschiedlich ausgeprägten Tiere sind in ein feines, selbständiges Linienwerk einbezogen, das sich verzweigt und rudimentär mit pflanzlicher Ornamentik zusammenhängt. An der linken Längs- und oberen Schmalseite je sechs rechteckige Felder in Zellenschmelz mit Vögeln, Vierfüßlern und hippokampenartigen Tieren, dazwischen Almandinrundeln und Kreuze.


Volker Bierbrauer


Literatur: Günther HASELOFF, Der Silberbecher aus der Regnitz bei Pettstadt, in: Jahresbericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 17/18 (1976/77), S. 158ff. – Ders, in: Kunst der Völkerwanderungszeit. Hrsg. von Helmut Roth (= Propyläen-Kunstgeschichte, Suppl. - Bd 4, Frankfurt am Main 1979), S. 309, Nr. 297.