Rupertus-Kreuz

Rupertus-Kreuz

In: Sankt Peter in Salzburg. Das älteste Kloster im deutschen Sprachraum. Schätze europäischer Kunst und Kultur. Katalog der 3. Landesausstellung vom 15. Mai bis 26. Oktober 1982. Unter Mitarbeit von Valentin Kunnert. Redigiert von Heinz Dopsch und Roswitha Juffinger. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. 7. – Salzburg: Amt der Salzburger Landesregierung, Kulturabteilung 1982. 431S. 8°. Objekt-Nr.: 158, S. 271.

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Leihgeber: Pfarrkirche Bischofshofen (Salzburg)
Rupertus-Kreuz

© Bundesdenkmalamt, Wien


Northumbrien, um 700, 158 x 94 cm

Das monumentale Kreuz hat einen Holzkern aus Bergahorn, dessen Vorderseiten und Seitenteile mit getriebenen und vergoldeten Kupferblechen verkleidet sind. An der Vorderseite sind es vier nahezu gleich große, knapp 40 cm lange Bleche für die Kreuzbalken, ein fast quadratisches Mittelstück (18 x 17 ,5 cm) und das 60 cm hohe, unten abgeschnittene Fußblech. Die genagelte Blechverkleidung der Seitenteile ist wie jene der Kanten (Perlstab) nur mehr teilweise erhalten. Von den ursprünglich 38 Emailscheiben sind nur noch neun vorhanden. Die Binnenzeichnung der großen, dunkelblau-opaken Emailtondi ist milchigweiß, in einem Falle auf dem rechten Kreuzarm auch zusätzlich hellblau. Sie zeigt als Ornament einen laufenden Hund, der ein freies, zentrales Feld kreisförmig umgibt. Das Bildprogramm des Kreuzes ist einheitlich konzipiert und auf die großen Emailscheiben bezogen, die gleichzeitig auch die schaufelförmig verbreiterten Kreuzbalken betonen. Bestimmt wird das Bildprogramm durch ein naturalistisch ausgebildetes Weinstockornament, in das Tiere einbezogen sind.
Als Vergleichsbeispiele sind neben der sogenannten Ormside-Bowl aus Yorkshire (heute Metropolitan Museum New York), vor allem Steinkreuze aus Northumbrien, aber auch Werke der Buchmalerei und des Kunsthandwerks aus diesem Gebiet zu nennen. Darauf stützt sich Volker Bierbrauer, der zuletzt für eine Entstehungszeit des Kreuzes am Ende des 7. oder in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts eingetreten ist. Damit kann das Kreuz nicht speziell als crux gemmata für den von Virgil erbauten und 774 geweihten Salzburger Dom geschaffen worden sein. Wahrscheinlich ist das Kreuz in Northumbrien entstanden und dort auch einige Jahrzehnte in Verwendung gewesen, bevor es wohl unter Virgil nach Salzburg kam.


Heinz Dopsch


Literatur: W. JENNY, Das sogenannte Rupertus-Kreuz in Bischofshofen, in: Arte del Primo Milennio 1954, S. 383-389. – Hermann FILLITZ, Zum sogenannten Rupertuskreuz aus Bischofshofen, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 17 (1963), S. 184f. – Karl HAUCK, Das Einhardskreuz. V: Anhang zu den Problemen des "Rupertus"-Kreuzes, in: Frühmittelalterliche Studien 8 (1974), S. 105ff. – Volker BIERBRAUER, Zum Rupertus-Kreuz von Bischofshofen. Ein insulares Denkmal der northumbrischen Renaissance, in: Archäologisches Korrespondenzblatt 8 (1978), S. 223f.