Hochgrab des Johann Werner von Raitenau († 1593)

Hochgrab des Johann Werner von Raitenau († 1593)

In: Sankt Peter in Salzburg. Das älteste Kloster im deutschen Sprachraum. Schätze europäischer Kunst und Kultur. Katalog der 3. Landesausstellung vom 15. Mai bis 26. Oktober 1982. Unter Mitarbeit von Valentin Kunnert. Redigiert von Heinz Dopsch und Roswitha Juffinger. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. 7. – Salzburg: Amt der Salzburger Landesregierung, Kulturabteilung 1982. 431S. 8°. Objekt-Nr.: 30, S. 243.

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Hochgrab des Johann Werner von Raitenau († 1593)

© Stefan Karwiese


Sarkophag aus rotem, wieß gesprenkeltem Marmor mit Deckplatte.
Umschrift auf der Deckplatte in später gotischer Minuskel mit Frakturversalien: Hie ligt begraben der Edl und gestreng Herr Herr / Johan Werner von Raithnaw zu Langenstein Ritter und Landsknecht oberster / Welcher da er starb in Crabaten wider den Erb/feindt. Als man zalt 1593 iar.

Dieses Grab, das einzige Hochgrab in St. Peter, stiftete Erzbischof Wolf Dietrich für seinen Vater. Es ist das bedeutendste Denkmal dieser Art in Salzburg. Auf der Deckplatte liegt der Ritter in voller Rüstung auf einem ausgebreiteten Bahrtuch, den Kopf auf einem Kissen. Nichtsdestoweniger wird die Figur stehend aufgefaßt. Die linke Hand ruht auf der Brust, in der rechten hält sie einen Kommandostab. Zu Füßen des Dargestellten befinden sich Helm und Schild. Johann Werner wurde zwischen 1525 und 1530 geboren, studierte an der Universität Freiburg im Breisgau und trat später in den kaiserlichen Kriegsdienst ein. Er starb im Felde gegen die Türken am 4. April 1593 in Samobor in Kroatien. Auf Anordnung Wolf Dietrichs wurde der Leichnam nach Salzburg überführt, wo er am 3. Mai eintraf. Von St. Sebastian aus bewegte sich dann der Leichenzug, wie uns der zeitgenössische Geschichtsschreiber Johannes Stainhauser berichtet, "ganz stattlich und ehrlich, wie dergleichen rittermeßigen Leuten gebührt, mit Trometten, Drumbeln, Fannen, Pferten und Soldaten, auch mit ordentlicher Procession in allen Hantwerchszünften und Zechen sowohl andern Bruderschaften" in die Benediktinerabteikirche St. Peter, wo der Tote "vor dem Chreizaltar" – das heißt in der Hauptachse der Kirche vor dem spätmittelalterlichen Lettner – "zur Erden bestattet, volgunts nach gehaltenen Gottdiensten mit ainem erhabenen Märmelstain, darauf sein Bildnus, Schilt, Helm, Wöhr und Waffen, Stifl und Sporn ausgehaut zu sehen und scheibs herum die Grabschrift eingehauen, sein Begrebnüs bedeckt wurde". Die 1593 von Veit Eschay, dem damaligen Hofbildhauer Wolf Dietrichs geschaffene Bodengrabplatte wurde vier Jahre später im Zuge der von Wolf Dietrich anbefohlenen Neugestaltung des Kreuzaltares "erhöht", das heißt durch Einbettung in einen Marmorsarkophag "monumentalisiert". Mit der Ausführung des Sarkophags war möglicherweise Eschays Nachfolger als Hofbildhauer, der vorher in seiner Werkstatt arbeitende Matthäus Murmann betraut worden.


Walter Koch, Franz Wagner


Literatur: Michael WALZ, Karl v. FREI, Die Grabdenkmäler von St. Peter und Nonnberg zu Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Nr. 219. – Die Denkmale des Benediktinerstiftes St. Peter in Salzburg. Bearb. von Hans Tietze (= Österreichische Kunsttopographie 12, Wien 1913), S. 31. – F. MARTIN, Mitteilungen der Gessellschaft für Salzburger Landeskunde 51 (1911), S. 209ff. – F. WAGNER, Alte und moderne Kunst 23 (1978), S. 11ff. – F. ZAISBERGER, Salzburger Museumsblätter 41 (1980), S. 26.