Katharina Paldauf – Die angebliche "Blumenhexe" auf der Riegersburg

Katharina Paldauf – Die angebliche "Blumenhexe" auf der Riegersburg

In: Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Katalog zur Steirischen Landesausstellung auf der Riegersburg, Oststeiermark vom 1. Mai bis 26. Oktober 1987. Herausgegeben von Helfried Valentinitsch und Ileane Schwarzkogler. – Graz, Wien: Leykam-Verlag 1987. 255.8°. Illustr., Graph. Darstellungen, Karten Objekt-Nr.: 16.19, S. 206.

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Katharina Paldauf – Die angebliche

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz (Beatrix Schliber)


Photo eines vermutlich zeitgenössischen Ölbildes; das Original (Maße: Höhe 91, Breite 73 cm) befindet sich im sogenannten "Sybillenzimmer" der Riegersburg und konnte für die Ausstellung nicht entlehnt werden.

Das Bild zeigt eine reichgekleidete Dame mit Blumen in den Händen. Nach einer Legende soll es Katharina Paldauf, die unglückliche Gattin des Pflegers der Riegersburg, darstellen. Sie wurde angeblich deshalb als Hexe angeklagt, weil sie es verstand, im Winter Blumen zu ziehen. Es gibt aber keinen Beweis, daß das Bild tatsächlich die Pflegersgattin darstellt. Für die Sage über das Aufziehen von Blumen existiert in den Prozeßakten ebenfalls nicht der geringste Hinweis. Die Darstellung mit Blumen war im 17. Jahrhundert durchaus üblich und findet auch in der steirischen Sepulkralplastik dieser Zeit eine Entsprechung.
Die historische Katharina Paldauf wurde in Fürstenfeld als Tochter eines Spenglers geboren, trat im Alter von 20 Jahren in den Dienst der Katharina Elisabeth von Galler, der Besitzerin der Riegersburg, und heiratete schließlich den Pfleger Johann Simon Paldauf, dem sie mindestens drei Kinder gebar .
Erst im Frühjahr 1675 wurde die damals etwa 50 Jahre alte Frau in den großen Feldbacher Hexenprozeß (1673-75) hineingezogen. Nachdem sie von der mit ihr befreundeten Bäckerin von Riegersburg als Wettermacherin und Teilnehmerin am Hexensabbat angegeben worden war, wurde sie verhaftet und in Feldbach arretiert. Sie leugnete zunächst die Angaben der sie belastenden Frauen, gestand aber noch vor der Folter, daß sie der Teufel nachts in Tiergestalt verfolgen würde. Im Verlauf der Folter begann sie zu toben, verfluchte ihre Eltern und stieß schwere Gotteslästerungen aus, legte aber kein Geständnis ab. Erst in späteren Verhören gab sie – offenbar von der Aussichtslosigkeit ihres Leugnens überzeugt – den Sabbatbesuch und das Schauermachen zu und nannte drei Geistliche, darunter den verstorbenen Hauptpfarrer von Riegersburg, als Teilnehmer an den Teufelsorgien.
Am 3. August 1675 wurde sie schwer bewacht von Feldbach auf die Riegersburg gebracht, wo sie den von ihr beschuldigten Geistlichen gegenübergestellt werden sollte. Über ihr weiteres Schicksal existieren keine Aufzeichnungen, doch wurde sie vermutlich noch in September 1675 hingerichtet.


Rudolf Grasmug


Literatur: Fritz BYLOFF, Gregor Agricola und Katharina Paldauff. Sage und Wirklichkeit eines Hexenprozesses, in: Roseggers Heimgarten 59 (1935), 641-658.