Breverl-Pölsterchen

Breverl-Pölsterchen

In: Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Katalog zur Steirischen Landesausstellung auf der Riegersburg, Oststeiermark vom 1. Mai bis 26. Oktober 1987. Herausgegeben von Helfried Valentinitsch und Ileane Schwarzkogler. – Graz, Wien: Leykam-Verlag 1987. 255.8°. Illustr., Graph. Darstellungen, Karten Objekt-Nr.: 9.19a, S. 129.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Kunstgewerbesammlung, 6.784
Breverl-Pölsterchen

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz (Beatrix Schliber)


Kissenförmiger Anhänger, reich bestickt (IHS und Marien-Monogramm), spätes 18. Jahrhundert, Höhe 6, Breite 6 cm,

"Breverln" (von lateinisch breve für alle kurzen lateinischen Texte) sind christliche Amulette aus Andachtsbildchen, Szenen aus dem Leben der Heiligen, kurze Gebete und Evangelientexte, oft zusammen mit geweihten Gegenständen (Medaillen, Palmkätzchen, Wallfahrtsandenken) in dauerhafte Hüllen gesteckt und an Bändern unter dem Hemd auf dem Leib getragen. Die Heiligenbilder sind meist Darstellungen der "Nothelfer", oft mit speziellen Gebeten unterlegt. Pflanzenteile ("Segenbaum", Bärlapp, Farne) liegen oft im Mittelteil verborgen. Rote Stoffstückchen sollen vor Hexerei schützen, wie allgemein das ganze Amulett vor Dämonen, Alpträumen und Flüchen bewahren soll. Die Breverlhüllen sind häufig mit Stickerei geschmückt.
Der Ausdruck "Breverl" ist vieldeutig und bezeichnet nicht nur zusammengefaltete "heilige Bildchen", sondern auch kleine, kissenförmige Anhänger, die an Halsbändern, Rosenkränzen oder Amulettkettchen getragen oder in Kleider eingenäht wurden. Ihr Inhalt ist den Trägern nicht bekannt; es handelt sich um "Erde aus dem Heiligen Land" oder Gebete und Bilder auf Papier .
Das Material der Breverl-Pölsterchen ist oft sehr wertvoll (Seide mit Metallstickerei, Seidenrips mit Silberfäden, gelegentlich vergoldet), und neben dem IHS sind oft ein Herz mit Kreuzesnägeln und das Marienmonogramm eingestickt. L. Kriss-Rettenbeck vergleicht diese Pölsterchen mit "Medizinbeuteln" exotischer Völker, die Segen bringen oder Unheil abwehren sollen.




Literatur: L. KRISS-RETTENBECK, Bilder und Zeichen religiösen Volksglaubens (München 1963).
L. HANSMANN/L. KRISS-RETTENBECK, Amulett und Talisman, Erscheinungsform und Geschichte (München 1977). – H. NEMEC, Zauberzeichen. Magie im volkstümlichen Bereich (Wien/München 1977).