Ursprünglicher Gruftdeckel Herzog Otakars IV.

Ursprünglicher Gruftdeckel Herzog Otakars IV.

In: Tausend Jahre Oberösterreich. Das Werden eines Landes. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich in der Burg zu Wels vom 29. April bis zum 26. Oktober 1983. Band 2: Katalogteil. Redigiert von Dietmar Straub. – Linz: Oberösterreichischer Landesverlag 1983. 436. 8°. Objekt-Nr.: 1.45, S. 35.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Filialkirche St. Heinrich am Bachern (sv. Areh na Pohorju), Pfarre St. Martin am Bachern (Untersteiermark, Slowenien)
Ursprünglicher Gruftdeckel Herzog Otakars IV.

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Abguß, Original in drei Teile gebrochene Platte aus weißem Marmor 180 x 95 cm in eisernem Rahmen, auf vier Sockeln aus etwas andersfarbigem Marmor mit Barockornament, die untereinander durch barocke Eisengitter verbunden sind. Ende 12., Anfang 13. Jahrhundert

Die Grabplatte stammt aus dem Kartäuserkloster Seitz (Žiče) bei Gonobitz (Konjice) und schloß ursprünglich die Gruft, in welcher die beiden letzten Otakare bestattet waren. Von dort wurde sie zwischen 1756 und 1848 nach St. Heinrich gebracht und hier als Denkmal des Kirchenheiligen Kaiser Heinrich II. verehrt. "Sie zeigt in einer breiten Umrahmung (mit Dübellöchern) den liegenden Verstorbenen mit einer sechszackigen Blattkrone auf dem Haupte. Beiderseits des Kopfes je eine Viertelrosette. Der Tote hat einen Schnurrbart und einen spitz zulaufenden Vollbart. Das lange, bis zu den Fußspitzen reichende Kleid ist über der Brust glatt, vom Gürtel abwärts fällt es in langen, breiten Falten (Kartäuserhabit?). Die Fußspitzen sind abgeschlagen. Vor sich hält der Verstorbene mit beiden Händen das lange Schwert, dessen Knauf die Form eines Kreuzes" aufweist.
Da Otakar IV. beim Tod seines Vaters 1164 erst ein Jahr alt war, führte seine Mutter Kunigunde bis 1179 für ihn die Regentschaft. Die Blattkrone, eine frühe Form des Herzogshutes, stellt das Symbol der Herzogswürde dar, die ihm 1180 verliehen wurde. Otakar litt an einer unheilbaren Krankheit und ist 1192 kinderlos im Alter von 28 Jahren gestorben. Er wurde wie sein Vater in Seitz bestattet, das dieser 1164 gegründet hatte.


Gerhard Pferschy, Alois Zauner


Literatur: Fritz POSCH/Balduin SARIA, Das Herzogsgrab zu St. Heinrich am Bachern. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 60 (1969), S. 127-144.