Füllungsgitter (Sakramentsnischengitter ?)

Füllungsgitter (Sakramentsnischengitter ?)

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 303, S. 326.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Kunstgewerbesammlung, 3112
Füllungsgitter (Sakramentsnischengitter ?)

© VÖEST-ALPINE, Linz


Die Nietlöcher am Rande scheinen auf zweierlei Anbringung zu weisen; erstes Drittel des 16. Jahrhunderts
Schmiedeeisen. (Ein miterworbener Holzrahmen damals entfernt und unbekannt.) Höhe:
50,5 cm; Breite: 31,8 cm. Im Grazer Handel erworben, angeblich aus Praßberg bei Cilli.

Ein Gitterwerk aus acht senkrechten und fünf waagrechten Stäben wird durch ringförmige Bunde, die in verschieden wechselnder Richtung um die Kreuzungsstellen liegen, zusammengehalten. In jedem Feld, aus Bandeisen gebogen, eine rundliche Herzform mit Dreipaßblume in der Mitte, die aus den eingerollten Bändern des Bogens und einem dazwischengebundenen Bandstück besteht. Jedes Herzchen ist an dem unteren Stab mit zwei, an die seitlichen gemeinsam mit dem Nebenstück mit einem Bund befestigt, die obersten mit einem durch den Rahmen gezogenen. In zwei Feldern fassen die unteren Bunde auch den unteren Bogen mit. Die Gitterstäbe sind in einen breiten Bandeisenrahmen eingenietet, der Nietlöcher früherer Anbringungen trägt.
Die Schrägbunde wie auch die strenge Form könnten wohl fast an romanische Zeit erinnern, die Ornamente und ihre Ausführung aber doch an das 16. Jahrhundert. Auch verwandte französische und italienische Gitter gibt es aus beiden Epochen. Kastner vergleicht als verwandt das Gitter des Sakramentshäuschens in der Pfarrkirche zu Mödling, das er aber um 1435 datiert. Es entspricht im Aufbau, hat aber wesentlich genauere und strengere kreisförmige Bandfüllungen.


Gertrud Smola


Literatur: Otfried KASTNER, Handgeschmiedet. Eisenkunst in Österreich aus der Zeit der Landnahme, Rmanik und Gotik (Linz 1967), S. 58, Nr. 82, Abb. S. 235; das Vergleichsstück in Mödling Abb. S. 239, Nr. 84. – Für Mödling auch: Mittelalterliche Eisenarbeiten aus Österreich unter der Enns und Steiermark, Mitt. d. Central-Commission IV (1859), S. 105f., mit Abb. – Hermann RIEWEL, Studien über Schmiede- und Schlosserarbeiten in Österreich, in: Mitt. d. Central-Commission XV (1870), S. 49f., mit Abb.