Sakristeitür

Sakristeitür

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 299, S. 323.

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Leihgeber: Haupt- und Dekanatspfarrkirche (Bruck an der Mur, Steiermark)
Sakristeitür

© Foto Ritter, Wien


Um 1500
Holz mit Schmiedeeisen. Einst abwechselnd rot und blau unterlegt. Ob die ungleichmäßige Anbringung der Rautenfelder, die Verteilung der auch technisch verschiedenen Ornamentfüllungen und die unsymmetrische Anbringung des Griffes als Freiheit des Handwerkers anzusehen sein kann, ist ungewiß. Sicher erneuert sind das Schloß und sein Zierfeld sowie sechs unbeholfen ergänzte Ornamentfüllungen und vielleicht auch die viel einfacheren Lilien in den Randdreiecken. (Aber schon 1858 von F. Bock so wiedergegeben und 1883 so ausgestellt.) Höhe: 215 cm; Breite: 101 cm (ohne Bänder); Holzstärke: ca. 5 cm. Griffring: Höhe: 22 cm; Breite: 24,5 cm; Unterlagsplatte: Höhe: 41 cm; Breite: 27 cm. Herkunft aus dem Kornmesserhaus am Brucker Hauptplatz wird angenommen, das 1499-1505 erbaut wurde. Es entspricht dem Stil, und eine Stiftung des bedeutenden Handelsherrn und Eisengewerken Pankraz Kornmeß wäre naheliegend.

Die mit starken, verzierten Nietköpfen befestigten Eisenbänder bilden 41 Rautenfelder (außer den Eckfeldern). Die Mehrzahl der Ornamentfüllungen sind ausgeschnittene, durchbrochene, leicht getriebene und mit Meißellinien verzierte pflanzliche Motive, die sich nicht gleich wiederholen, elf aber sind geschnittene zarte Maßwerk- und Fischblasenornamente, verschieden und unregelmäßig verteilt. Alle Füllungen sind mit schnurartig gekerbten Stäben eingefaßt. Die Ergänzungen s. o. Der Griffring mit Schmuckplatte ist mit noch zarterem Maßwerk bedeckt, ähnlich dem Griff der Kirchentüre zu Mondsee und dem Truhenschloß von Maria Saal. Der Ring ist mit einem Drachenkopf und kleinen Krabben besetzt.
Alle verwandten Türen zeigen die Füllungen nur als getriebene Blechplatten, so die Sakristeitüre der Pfarrkirche von Steyr a. d. Enns, mit Nürnberger Wappen, abwechselnd mit einköpfigen Adlern und Löwen, daher vielleicht ein Geschenk der Stadt Nürnberg, zumindest Zeugnis der lebhaften Verbindung des steirischen Eisenwesens mit Süddeutschland. Dieselbe Türe gibt es in München und Nürnberg und angeblich als Kopie in Rouen. Auch die Türe zu Maria Saal hat fast die gleichen Felder. Das Südtor der Piaristenkirche zu Krems hat oben und unten je zwei verschiedene Wappen, Burg Karlstein in Prag eine Türe mit Löwen und Adlern. Die Entstehung der Brucker Türe ist doch wohl im Bereich des österreichisch-steirischen Eisengebietes anzunehmen.


Gertrud Smola


Literatur: Fritz BOCK, Die gotische Türe zu Bruck a. d. Mur mit Andeutungen über die Entwicklung der Türverschlüsse im Mittelalter, in: Mittelalterliche Kunstdenkmale des österreichischen Kaiserstaates, Bd. I (Stuttgart 1858), S. 141ff., farb. Tafeln XXI u. XXII (Ausschnitt mit willkürlicher Ornamentwahl und Türring). – G. HEIDER, Die gotische Türe zu Bruck a. d. Mur, in: Mittelalterliche Kunstdenkmale des österreichischen Kaiserstaates, Bd. I (Stuttgart 1858), S. 149, Abb. 4, mit Angabe einer weiteren einfachen gotischen Türe und einer Schloßdeckplatte in der Sakristei derselben Kirche. – Hermann RIEWEL, Studien über Schmiede- und Schlosserarbeiten in Österreich, in: Mitt. d. Central-Commission XV (1870), S. 47, Abb. II. – Karl LACHER, Kunstgewerbliche Gegenstände auf der Kulturhistorischen Ausstellung in Graz 1883, Heft 1, Tafel 8. – Eduard ANDORFER, Alte steirische Schmiedeeisentüren, in: Blätter f. Heimatkunde (1937), Nr. 15, S. 43ff., Abb. 3. – Otfried KASTNER, Eisenkunst in der Steiermark, in: Pirchegger-Töpfner, Eisen immerdar (Graz 1951), S. 47-56. – Otfried KASTNER, Handgeschmiedet, Eisenkunst in Österreich aus der Zeit der Landnahme, Romanik und Gotik (Linz 1967), S. 30f., Abb. 31 u. 32. – Otfried KASTNER, Eisenkunst, im Ausstellungskatalog "Gotik in Österreich" (Krems-Stein 1967), Nr. 294, S. 307. – Kurt WOISETSCHLÄGER/Peter KRENN, Alte steirische Herrlichkeiten (Graz 1968), Nr. 71.