Tragaltar

Tragaltar

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 268, S. 307.

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Leihgeber: Benediktinerstift Admont (Steiermark)
Tragaltar

© Dr. Woisetschläger, Graz


Steirisch (?); um 1330. – Böhmisch (?); 1375
Holzkern mit eingelassener Amethystplatte, Silber, zum Teil vergoldet beziehungsweise nielliert. Länge: 27,2 cm; Breite: 19,8 cm; Stärke: 2 cm. Die Randleisten und die Teile der Bodenverkleidung, vielleicht auch Holzkern und Altarstein ursprünglich der Inschrift zufolge zu einem Tragaltar im Domschatz von Leitomischl gehörend.
Photo.

Auf der Oberseite zeigen die Leisten der Schmalseiten Christus zwischen Petrus und Paulus thronend bzw. ebenso auf drei Felder verteilt die Anbetung der Könige (Maria mit dem Kinde – die knienden Könige – ein Knecht mit den drei Pferden), in den Zwickeln Propheten, auf den Langseiten je drei Vierpaßfelder mit den Darstellungen der Evangelistensymbole und zwei thronenden, nicht identifizierbaren Aposteln (?). Auf der Wandung des Altars die Inschrift: ANNO D(O)M(INI) MILLESIMO CCC LXX QVI(N)TO REVERENDVS PATER D(OMI)N(V)S ALBERTVS DE STERNBERG EP(ISCOPV)S LVTHOMISLEN(SIS) CONSEC(RA)VIT HOC ALTARE IN HONORE BEATE MARIE VIRGINIS GLORIOSE AMEN. Auf der Unterseite in vier Streifen alternierend die Wappen Sternberg und Leitomischl.
Die Anordnung der Platten auf der Oberseite entspricht sicher nicht mehr der ursprünglichen Konzeption, was vor allem bei den kleinen Plättchen der Langseiten, die unregelmäßig abgeschnitten und außerdem nach verschiedenen Richtungen orientiert sind, deutlich wird. Auch auf der Unterseite sind Teile der Wappenleisten von den Randstreifen überdeckt. Die figuralen Darstellungen der Oberseite des Altares sind überdies älter als das Datum in der Inschrift der Seitenwände. Stilistisch wären sie um 1330 anzusetzen. Die dreiteilige Darstellung der Anbetung der Könige und die Art, wie in die Zwickel Prophetenbüsten eingefügt sind, ist mit dem von Seidin von Pettau um 1330 geschaffenen Altarantependium des Salzburger Domschatzes im Österreichischen Museum für angewandte Kunst (Österreichische Kunsttopographie IX, 1912) vergleichbar. Es würde dafür sprechen, die Verkleidung der Oberseite des Tragaltares um 1330 zu datieren und als österreichische Arbeit anzusehen. Als solche wäre sie mit den etwa gleichzeitigen österreichischen Goldschmiedearbeiten zu vergleichen, die vom Oberrhein abhängig sind. Wahrscheinlich wurde der schadhafte böhmische Tragaltar von 1375, der zu einem momentan nicht feststellbaren Zeitpunkt nach Admont kam, dort durch die figuralen Platten einer älteren kirchlichen Goldschmiedearbeit ergänzt.


Hermann Filitz


Literatur: Katalog "Goldschmiedekunst", (Graz 1961), Nr. 4. – Katalog "Gotik in Österreich" (Krems a. d. Donau 1967), Nr. 215 und S. 255.