Grabplatte Herzog Ernsts des Eisernen, † 1424

Grabplatte Herzog Ernsts des Eisernen, † 1424

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 260, S. 298.

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Leihgeber: Zisterzienserstift Rein (Steiermark)
Grabplatte Herzog Ernsts des Eisernen, † 1424

© Foto Fürböck, Graz


Salzburgisch; um 1425
Rotmarmor, das Szepter abgebrochen, die Nase und das Kärntner Wappen beschädigt, die Augen der Löwen fehlen. Länge: 270 cm; Breite: 143 cm; Höhe: 17 cm. Ursprünglicher Standort der Tumba im Chor der romanischen Stiftskirche von Rein; da der rechte Rand nicht abgeschrägt, wohl mit dieser Seite an die Mauer stoßend. Der ehemalige Unterbau der Tumba nicht erhalten. 1766 in die Grabkapelle an der Nordseite des neuerbauten barocken Kirchenchores übertragen.
Abguß.

Im vertieften Bildfeld der Herzog in liegender Stellung gezeigt, wobei jedoch die Arm- und Fußhaltung mehr einer stehenden Figur entspricht. Der Verstorbene ist völlig gerüstet mit Harnisch, Kettenpanzer, Schwert und Dolch, das auf einem Polster aufliegende Haupt trägt den Herzogshut. Ein weiter Mantel fällt von den Schultern, wird von zwei Engeln zur Seite gehalten und ist unter den Beinen durchgezogen, so daß er den Körper folienartig hinterfängt. An den Ecken der Platte sind die Wappenschilder von Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain angebracht, die beiden letzteren mit liegenden Löwen als Schildhaltern.
Die Umschrift in gotischer Minuskel lautet: Anno domini M(illesim)o cccc(entesim)o xxiiii
decima die mensis Junii/Stirie karinthie Carniole/Obiit Serenissimus p(r)inceps d(omi)n(u)s Arnestus Archidux Austrie/Requiescat in sancta pace/. Das ernste würdevolle Werk zeigt enge Beziehungen zum Aribo-Grab im Kloster Seeon (1395-1400) und bedeutet eine Weiterentwicklung der plastischen Anregungen der Prager Parla-Tumben in Richtung auf den auseinanderfließenden flächigen Formenduktus des späten weichen Stiles.


Peter Krenn, Helfried Valentinitsch


Literatur: Walter FELICETTI-LIEBENFELS, Die mittelalterliche Grabplastik in Steiermark und Kärnten bis zum Ausgange der Gotik (phil. Diss., Graz 1924), S. 37. – Otto SCHWARZ, Die spätgotische Steinplastik in Steiermark (phil. Diss., Graz 1935), S. 23f. und 48f. – Carl Theodor MÜLLER, Zur monumentalen Salzburger Plastik des frühen 15. Jahrhunderts, in: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 6 (1939), S. 241f. – Karl GARZAROLLI_THURNLACKH, Mittelalterliche Plastik in Steiermark (Graz 1941), S. 55. – Gotik in Österreich. Ausstellungskatalog (Krems 1967), S. 207, Nr. 158.