Grabstein des Propstes Ortolf von Prankh, † 1289

Grabstein des Propstes Ortolf von Prankh, † 1289

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 257, S. 296.

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Leihgeber: Augustinerchorherrenstift Seckau (Steiermark), Kreuzgang
Grabstein des Propstes Ortolf von Prankh, † 1289

© Dr. Woisetschläger, Graz


Steirisch; um 1290
Sandstein; mehrere Oberflächenbeschädigungen, Rahmenumschrift abgerieben. Höhe:
180 cm. In der sogenannten Ursprungskapelle (einstiger Kapitelsaal) bei Restaurierungsarbeiten unterm Fußboden aufgefunden; jetzt im Kreuzgang eingemauert.
Photo.

Ältester erhaltener Grabstein eines Seckauer Propstes. Der Verstorbene in voller Gestalt gezeigt, eng gerahmt vom einfachen frühgotischen Maßwerkfenster, und zwar so, daß dabei der Kopf in den Rundpaß ragt. Die rechte Hand hält einen Kruckenstab schräg vor den Körper, in der linken ist die Regula zu erkennen, das Zeichen der Hausgewalt des Propstes. Die ehemalige Umschrift nur mehr in unleserlichen Spuren am linken Rand auszunehmen. Die Prankh sind ein seit dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts nachweisbares Adelsgeschlecht in der Obersteiermark mit Sitz in Prankh bei St. Marein bei Knittelfeld. Sie erwarben größere Besitzungen im oberen Murtal und teilten sich im 15. Jahrhundert in mehrere Linien, die sich zum Teil der protestantischen Bewegung anschlossen. Das heute noch bestehende Geschlecht stellte im Mittelalter fünf Stiftspröpste, drei davon in Seckau. Ortolf von Prankh regierte von 1260 bis 1289; unter ihm, der ein Anhänger des Böhmenkönigs Přemysl Ottokar war, wurde die Stiftskirche restauriert und das Kloster neu erbaut.
Frühester reliefierter Figuralgrabstein der steirischen Gotik. In der Beengung durch den architektonischen Rahmen, der der Figur sehr geschlossene Umrisse vorschreibt, die Gebundenheit des Frühstiles erkennbar. Andererseits scheint der aus der Spätromanik kommende Zackenstil hier bereits überwunden.


Peter Krenn, Helfried Valentinitsch


Literatur: P. Benno ROTH OSB.,Seckau - Geschichte und Kultur 1164 - 1964 (Wien 1964), S. 460f. – Edith TSCHERNUTTER Die Prankher, Teil I und II (philos. Diss., Graz 1973).