Stehender heiliger Georg

Stehender heiliger Georg

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 252, S. 285.

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Leihgeber: Filialkirche St. Leonhard (Murau, Steiermark)
Stehender heiliger Georg

© Dr. Woisetschläger, Graz


Kärnten, Villacher Werkstatt; gegen 1525
Holz; überfaßt. Höhe: 140 cm. Vermutlich von einem Florianaltar, von dem noch die Figur des Titelheiligen und ein heiliger Eustachius erhalten sind.

Die Figur des heiligen Georg, die wie ihr nicht ausgestelltes Gegenstück, die Figur des heiligen Eustachius, der Schreinwächter eines Flügelaltars gewesen ist, setzt die Schreinwächterfiguren des Arndorfer Altars in Maria Saal (Kärnten) voraus. Eine ikonographische Besonderheit besteht allerdings darin, daß in Murau der heiligen Eustachius den sonst allgemein dem heiligen Florian vorbehaltenen Platz als zweiter Schreinwächter einnimmt. Die Erklärung dafür dürfte sein, daß es sich um einen Florianaltar gehandelt hat und der Titelheilige seinen Platz im Schrein hatte. Die Schreinfigur eines heiligen Florian ist erhalten und bestätigt diese Hypothese.
Stilistisch gehören die Figuren in die Zeit der größten Blüte der Villacher Werkstatt. Die Parallele am Arndorfer Altar in Maria Saal gibt den Terminus post quem für die zeitliche Einordnung. – Die Figuren der Heiligen Sebastian und Katharina in derselben Kirche sind ebenfalls der Villacher Schnitzwerkstatt zuzuschreiben; sie stammen jedoch von einem anderen Altar, der einige Jahre vor dem Florianaltar entstanden ist.


Elisabeth Oberhaidacher–Herzig


Literatur: Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Mittelalterliche PLastik in der Steiermark (Graz 1941), S. 129. – Gertraud MÜLLER-GUTTENBRUNN, Die Kärntner Schnitzplastik amAnfang des 16. Jahrhunderts (unged. Diss., Wien 1943). – Inge WOISETSCHLÄGER-MAYER, Die Kunstdenkmäler des Gerichtsbezirkes Murau (= Österreichische Kunsttopographie 31, Wien 1964), S. 417, 421, Abb. 517-519.