Stehender Apostel Petrus

Stehender Apostel Petrus

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 249a, S. 283.

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Leihgeber: Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Geburt, Schöder
Stehender Apostel Petrus

© Bundesdenkmalamt, Wien


Kärnten. Villacher Werkstatt; um 1515-1517
Holz; überfaßt. Höhe: je 88 cm. Vom barocken Florianaltar der Pfarrkirche in Schöder.

Die relativ kleinen Figuren stammen von einem Flügelaltar, von dem noch eine stehende Maria mit Kind sowie zwei nicht ausgestellte stehende Engel in der Kirche in Schöder erhalten sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um zwei Schreinfiguren des ehemaligen Hochaltars dieser Kirche, die auf den barocken Hochaltar, heute Florianaltar, übernommen worden sind. Entgegen der Meinung Garzarollis, der in den fünf Figuren Werke zweier verschiedener Zeitstile und Werkstätten sah, gehören die Figuren stilistisch zusammen und müssen der Villacher Werkstatt zugeschrieben werden. Ein etwa gleichzeitig entstandener Altar, der sich in Ostberlin (Staatliche Museen, Skulpturen-Sammlung, Inv.-Nr. 2770) befindet, belegt für die Figur des Petrus den Zusammenhang. Zugleich macht dieser Altar, dessen Schreinfiguren in der Größe nur unwesentlich von denen in Schöder abweichen, auch deutlich, daß der kleine Figurenmaßstab nicht gegen ihre Aufstellung im Schrein eines Flügelaltars spricht.
Den Figurenstil bestimmt ein Parallelfaltenstil mit weich verfließender, wenig zergliederter Gewandoberfläche, in dem Erinnerungen an die Plastik des weichen Stils des frühen 15. Jahrhunderts anklingen. Da diese Tendenz auch in anderen Beispielen der Villacher Werkstatt nachzuweisen ist und um 1517 ihren Höhepunkt erreicht (Altäre von Pontebba, Goritschach und Ried im Pustertal, alle 1517 datiert), ist die Entstehungszeit der Figuren um diese Zeit oder kurz davor anzusetzen.


Elisabeth Oberhaidacher–Herzig


Literatur: Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Mittelalterliche PLastik in der Steiermark (Graz 1941), S. 116. – Inge WOISETSCHLÄGER-MAYER, Die Kunstdenkmäler des Gerichtsbezirkes Murau (= Österreichische Kunsttopographie 31, Wien 1964), S. 282f., Abb. 329, 331.