Begegnung zwischen Joachim und Anna an der Goldenen Pforte

Begegnung zwischen Joachim und Anna an der Goldenen Pforte

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 237, S. 271.

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Leihgeber: Muzej za umjetnost i obrt (Zagreb, Kroatien), MUO 2664
Begegnung zwischen Joachim und Anna an der Goldenen Pforte

© Information: Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung Kultur


Um 1422
Hochrelief, Zirbelholz; Höhe: 88 cm; Breite: 70 cm. Teilweise erhaltene ursprüngliche Fassung.

Relief von den Flügeln des ehemaligen Hochaltars der Pfarrkirche in Bozen. Bis zu dem Jahre 1883 befand sich die Skulptur in der Pfarrkirche zu Vrbovec in Kroatien (nordöstlich von Zagreb), wohin sie einige Dezennien früher Josef Ritter von Hempel, Besitzer des Schlosses Vrbovec, gebracht hat. Da J. Ritter von Hempel als Kirchenmaler vier Jahre auch in Bozen verbrachte, ist die tirolische Provenienz des Reliefs sehr wahrscheinlich. Zu bedenken wäre nur die Angabe, daß der alte Bozner Altar, der sich damals in Deutschnofen befand, erst 1885 auseinandergerissen wurde, das Relief jedoch schon längst vor 1883 nach Vrbovec gelangte. Das könnte die Vermutung bestätigen, daß dieses Relief nicht an den Flügeln des Haupt-, sondern des Predellaschreines angebracht war; möglicherweise sind die Flügel der Predella schon früher – als "sekundäre Bestandteile" des Altares – abgeschafft worden. Nach einer Bemerkung des Konservators K. Atz (Mitteilungen der k. k. Central-Comm. f. Denkmalpflege, NF XI, 1885) wäre fast zu schließen, daß schon damals der Altar nicht mehr in der Ganzheit bestanden hat ("In der Pfarrkirche von Deutschnofen stand...ein Flügelaltar...wie die noch vorhandenen Oberreste an Statuen und Hochreliefs...schließen lassen."). Im Jahre 1883 hat das Relief das Kunstgewerbemuseum in Zagreb erworben.
Stilistisch unterscheidet sich das Relief von den meisten anderen Bozner Plastiken durch etwas stärkeren Realismus und kompakteren Faltenduktus; auch die Auflösung der Draperie an dem Sockel ist nicht so melodiös wie sonst ausgeführt; bei dem Joachim endet das Gewand schon in Knöchelhöhe, was ebenso eine Ausnahme bedeutet. Doch erinnert Joachims Bart an den des Gottvaters in der Marienkrönungsgruppe. Das Gesicht der heiligen Anna ist dem Gesicht der heiligen Katharina aus Maribor nicht unähnlich. – Das Relief ist nicht von derselben Hand geschaffen worden wie die "weicheren" Plastiken des Bozner Altares (z. B. Marienkrönung) .
Das Relief hat als einen Bestandteil des Bozner Altares Th. Müller erkannt.




Literatur: Theodor MÜLLER, Ein verschollenes Fragment vom Bozener Hochaltar, in: Der Schelm 24 (1950), S. 242ff. – Emilijan CEVC, Ob problemu Hansa iz Judenburga, in: Razprave II. Razreda za zgodovinske in družbene vede Slovenske akademije znanosti in umetnosti (Ljubljana 1953), S. 282, 311. – I. BACH, in: Vijesti Društva muzejsko-konzervatorskih radnika NR Hrvatske III (Zagreb 1954), S. 28f. – Gotik in Österreich. Katalog (Krems a. d. Donau 1967), S. 208. – Muzej za umjetnost i obrt. Katalog. (Zagreb 1970), S. 276. – Rochus KOHLBACH, Steirische Bildhauer (Graz 1956), S. 323. – Theodor MÜLLER, Gotische Skulptur in Tirol (Bozen 1976), S. 21. – Eva KREUZER-ECCEL, Hans von Judenburg und die Plastik des weichen Stils in Südtirol (Calliano o.J.), S. 30, 191.