Marienkrönung

Marienkrönung

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 235, S. 269.

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Leihgeber: Germanisches Nationalmuseum (Nürnberg, Deutschland), Pl 29, 30, 31
Marienkrönung

© Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg


Um 1422
Die Gruppe ist im Jahre 1885 im Nürnberger Kunsthandel erworben worden mit der Angabe, daß sie aus Tschengels im Vintschgau stamme. Wie N. Rasmo erwiesen hat, handelt es sich um die Marienkrönungsgruppe, die in dem alten Bozner Hauptaltar stand und später in Deutschnofen in den Handel gelangte.

Alle stilistischen Charakteristika bestätigen, daß sie ein Werk des Hans von Judenburg ist. - Jedenfalls ist es schwer, die Figuren Gottvaters, Christus und Mariä so zu ordnen, daß ohne verschieden hohe Postamente eine Pyramidenkomposition erreicht wäre und daß die Krone, die Christus in den Händen gehalten hat, über Marias Kopf schweben könnte. Bei allen Versuchen, diese Kompositionsfrage zu lösen, war die Überzeugung irreführend, daß Michael Pacher mit der dreifigurigen Marienkrönung am Grieser Altar nicht nur die generelle Form des Altaraufbaues, sondern auch die ikonographischen Details des Judenburger Meisters nachahmte. Allem Anschein nach fehlt jedoch die vierte Figur, der Heilige Geist in der menschlichen Gestalt, die als Pendant Christi an der linken Seite saß. Solche Darstellung wäre in dem damaligen steirischen Kunstkreis sogar wahrscheinlicher als die (italienisch bedingte) dreifigurige, mit dem Heilige Geist als Taube.
Mitte) Gottvater
Detail: Gottvater
Pappelholz; Höhe: 122 cm; Breite: 72 cm; Tiefe: 38 cm.
Es fehlen an der rechten Hand die Spitze des Mittelfingers und vier Fingerspitzen an der linken Hand, die Weltkugel und die Zacken der Krone. Die Rückseite ist ausgehöhlt. Erhaltene alte Fassung.
Der thronende Gottvater segnet mit der rechten Hand, in der linken hielt er die (verlorene) Weltkugel. Der Kopf ist leicht nach rechts geneigt.
Links) Maria
Pappelholz; Höhe: 107 cm; Breite: 73 cm; Tiefe: 52 cm.
An der rechten Hand fehlen Daumen und kleiner Finger. Die Rückseite ist ausgehöhlt. Alte Fassung. Maria kniet im Rechtsprofil mit zum Gebet gefalteten Händen. Statt des Sockels breiten sich um die Beine dekorativangeordnete geknickte Falten des Mantels.
Rechts) Christus
Pappelholz; Höhe: 118 cm; Breite: 88 cm; Tiefe: 49 cm.
Es fehlen vier Finger der rechten Hand und zwei an der linken, die Zacken der Krone und die Marienkrone in den Händen. Die Rückseite ist ausgehöhlt. Alte Fassung.
Der thronende, nach rechts gewandte Christus ist als jugendliche Figur mit dem kleinen "Wenzelsbart" dargestellt. In den vorgestreckten Armen hat er über Mariens Kopf die Krone gehalten.


Emilijan Cevc


Literatur: Karl ATZ, Kunstgeschichte von Tirol und Vorarlberg (2. Aufl. Innsbruck 1909), S. 581f. – Carl Theodor MÜLLER, Mittelalterliche Plastik Tirols, (Berlin 1935)S. 74, 141. – Nicolò RASMO, Neue Dokumente über die Errichtung des neuen Hochaltares in der Pfarrkirche Bozen, in: Cultura Atesina I, S. 6 ff. – Ders., Note sulla scultura medioevale Atesina, Kultur des Etschland, Bd. 1, Nr. 2, S. 46. – Ders., Nuove acquisizioni alla conoscena dell'arte medioevale dell'Alto Adige, in: Cultura Atesina IV (Bolzano 1950), S. 139ff. – Gotik in Tirol. Katalog (Innsbruck 1950), Nr. 35a. – Emilijan CEVC, Ob problemu Hansa iz Judenburga, in: Razprave II. Razreda za zgodovinske in družbene vede Slovenske akademije znanosti in umetnosti (Ljubljana 1953), S. 286f., 311. – Rochus KOHLBACH, Steirische Bildhauer (Graz 1956), S. 323. – Albert KUTAL, České sochařství kolem r. 1400 a alpské země, in: Umění V (Praha 1957), S. 308ff. – Theodor MÜLLER, Die Marienkrönung aus Tschengels im Germanischen Nationalmuseum und andere Probleme der Geschichte der spätgotischen Skulptur in Tirol, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1973, S. 45 ff. – Europäische Kunst um 1400. Katalog (Wien 1962), S. 333. – Theodor MÜLLER, Sculpture in the Netherlands, Germany, France and Spain 1400 to 1500 (= The Pelican History of Art 25, 1966), S. 44, 120. – Heinz STAFSKI, Die mittelalterlichen Bildwerke I (= Katalog des Germanischen National-Museums, Nürnberg 1965), S. 192f. (mit älterer und ausführlicher Literatur). – Alfred SCHÄDLER, Zur Rekonstruktion des Bozener Choraltars von Hans von Judenburg, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseum 1973, S.80ff. – Theodor MÜLLER, Gotische Skulptur in Tirol (Bozen 1976), S. 21, 431. – Eva KREUZER-ECCEL, Hans von Judenburg und die Plastik des weichen Stils in Südtirol (Calliano o.J.), S. 29f., 31ff.