Maria auf der Mondsichel

Maria auf der Mondsichel

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 232, S. 259.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Alte Galerie, L 6
Maria auf der Mondsichel

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Leoben; um 1518
Lindenholz; vollrund. Reste alter Fassung: Kleid silbern, Mantel golden, Futter blau. Gesicht inkarnatfarben. Haare braun. Mondsichel golden. Beide Hände und Krone Marias und das Kind fehlen. Mantelsäume bestoßen. Barocke, geschwungene Plinthe. Höhe: 132 cm (ohne Plinthe). Aus der Stiftskirche in Göß(?).
Leihgabe des Konventes der Elisabethinen in Graz.

Maria ist stehend, in kontrapostisch gebildeter Haltung dargestellt. Ihre hoheitsvolle, renaissancehafte Erscheinung und der stoffliche Reichtum ihrer modischen Tracht reihen sie unter die erlesensten Bildwerke vom Ausgang der Spätgotik in der Steiermark.
Die plastische Verräumlichung ihrer Oberfläche ist durch feine, langgezogene Parallelfalten, tief unterschnittene Faltenhöhlen und durch gekräuselte, zum Teil in Wirbeln aufgeblähte Saumbildungen gegenüber den heiligen Barbara und Katharina stärker zum Ausdruck gebracht. Diese zu höchster dekorativer Wirkung gesteigerte Gewandmaterie ist ohne die Berührung mit dem Oeuvre Hans Leinbergers undenkbar. Vor allem die dünnwandigen, mit größter Brillanz unterschnittenen, an Bronzegußtechnik erinnernden Saumwirbel sind in ihrer Form und Disposition auf die Madonna mit Kind in Landshut, Stadtpfarr- und Stiftskirche St. Martin, um 1516/1518, zurückzuführen. Aufgrund des ähnlichen Faltenbildes mit dem 1518 datierten Kruzifix im Stift Admont dürfte eine ungefähr gleichzeitige Entstehung vorliegen.
Garzarolli 1940 brachte die Figur irrigerweise mit Andreas Lackner in Verbindung. Vermutlich war sie einst Schreinfigur eines Flügelaltares, dessen Aufstellung in der Stiftskirche in Göß, aber auch in einer Leobener Kirche angenommen wird.


Horst Schweigert


Literatur: Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, Andreas Lackner und sein steirisches Werk, in: Das Joanneum 2 (1940), S. 40. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, Mittelalterliche Plastik in Steiermark (Graz 1941), S. 85f., 126. – Plastik, Malerei und Kunstgewerbe des Mittelalters. Katalog (Graz 1947), S. 5f. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, L’art du Moyen Age en Autriche. Ausstellungskatalog (Genève 1950), Kat. 178. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, Kapitel Plastik, in: Große Kunst aus Österreichs Klöstern (Mittelalter) (Wien 1950), Kat. 257. – Otto SCHWARZ, Plastik, Malerei und Kunstgewerbe. Katalog des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum in Graz (Graz 1955), S. 68. – Rochus KOHLBACH, Steirische Bildhauer (Graz 1956), S. 367f. – Inge WOISETSCHLÄGER-MAYER, Die Kunstwerke des Stiftes Göß, in: Göß – Brauerei und Stift (Göß 1960), S. 98. – Anton LEGNER, Kapitel Plastik, in: Die Kunst der Donauschule. Katalog (3. Aufl. 1965), Kat. 648. – Kurt WOISETSCHLÄGER/Peter KRENN, Alte steirische Herrlichkeiten (Graz 1968), S. 21f., Nr. 11. – Elfriede BAUM, Katalog des Museums mittelalterlicher österreichischer Kunst in der Orangerie des Unteren Belvedere in Wien (Wien/München 1971), S. 115f. – Anton LEGNER, Salzburger Bildnerei 1500-1530, in: Spätgotik in Salzburg. Katalog (Salzburg 1976), Kat. 281. – Gottfried BIEDERMANN, Kunst des Mittelalters. Malerei, Plastik, Glasmalerei. Katalog Alte Galerie am Landesmuseum Joanneum Graz (Graz 1976), S. 102. – Peter KRENN, Die gotische Plastik in der Steiermark, in: Steirische Berichte 3/4 (Graz 1977), S. 11.