Heilige Anna Selbdritt

Heilige Anna Selbdritt

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 221, S. 250.

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Leihgeber: Narodna galerija (Ljubljana, Slowenien), P 36
Heilige Anna Selbdritt

© Narodna galerija, Ljubljana


Steirisch; um 1490
Lindenholz. Reste alter Fassung. Dem Kind fehlen der linke Arm, die rechte Hand, der rechte Fuß und der linke vordere Fußteil. Die Plinthe ist am linken Rand abgesplittert. Mehrere Bestoßungen und Einrisse. 1954 restauriert. Höhe: 126 cm. Aus Oberradkersburg (Gornja Radgona).

Die Heilige sitzt auf einer Thronbank; mit ihrer linken Hand umfängt sie das auf ihrem linken Oberschenkel sitzende, lesende Marienkind, mit ihrer rechten das auf ihrem Oberschenkel aufrechtsitzende Jesuskind. Ober dem gegürteten Kleid, das vor der Brust in Röhrenfalten zusammengeschoben ist, trägt sie einen weiten Mantel, dessen rechter Teil über beide Oberschenkel gezogen ist, um den Kindern als Sitzunterlage zu dienen. Das Antlitz wird von einer Matronenhaube gerahmt.
Das gesamte Faltenwerk ist aus eckigen Brechungen zusammengesetzt, aus denen gratige Stege durch tiefe Unterhöhlungen abgehoben sind.
Cevc 1973 verweist auf die motivische Anlehnung an die Grafik des Meisters E. S. (z. B. Maria aus Einsiedeln L. 81; Geisberg, T. 49) sowie auf die Verbindung mit den Prototypen von der Seite des Nicolaus Gerhaert, die in die Richtung Passau weisen (vgl. Madonna in Thyrnau; heilige Anna in Unterkreuzberg; Wertheimer 1929, T. 46). Ein stilistischer Zusammenhang besteht vor allem mit den beiden thronenden Madonnen aus Schloß Eggenberg und aus Schloß Waldstein, wobei die Verwandtschaft im verinnerlichten Gesichtstypus und im räumlich angelegten, jedoch nicht so differenziert durchgebildeten Faltenwerk besteht. Cevc 1973 nimmt ihre Herkunft aus einer Radkersburger oder Grazer Schnitzwerkstätte an.


Horst Schweigert


Literatur: Emilijan CEVC, Srednjeveška plastica na Slovensken (phil. Diss., Ljubljana 1956), S. 32. – Emilijan CEVC, Umetnost srednjega veka na Slovenskem (= Vodnik po umetnostnih zbirkah Narodne galerije v Ljubljani I, Ljubljana 1956) S. 12, 28. – Emilijan CEVC, Geografski položaj srednjeveškega kiparstva na Slovenskem, in: Zbornik za umetnostno zgodovino n.v. V-VI (Ljubljana 1959), S. 278. – Emilijan CEVC, Slovenska umetnost (Ljubljana 1966), S. 47. – Emilijan CEVC, Gotsko kiparstvo (= Ars Sloveniae, Ljubljana 1967), Kat. 55. – Emilijan CEVC, Umetničko blago Jugoslavije (Beograd 1969), S. 265. – L’Art gothique, in: L’Art en Yougoslavie de la prehistoire a nos jours (Paris 1971), S. 134. – Emilijan CEVC, Gotska Plastika na Slovenskem. Narodna galerija (Ljubljana 1973), S. 68, Kat. 83.