Apostel Petrus

Apostel Petrus

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 208, S. 240.

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Leihgeber: Benediktinerstift St. Lambrecht (Steiermark), Stiftssammlungen
Apostel Petrus

© Dr. Woisetschläger, Graz


Nachfolge des Meisters von Großlobming; um 1435
Sandstein (Steinguß?); dreiviertelrund. Geringe Reste alter Fassung. Bestoßungen an den Gewandsäumen; am Hinterkopf zwei Einlaßlöcher. Rechte Hand aus Holz; Höhe: 76 cm; Plinthe: 24 x 43 cm. Aus Aflenz, Pfarrkirche heiliger Peter (ursprünglich Bekrönung des Westtores).

Der Apostelfürst thront auf einer schmucklosen Bank in strenger Frontalität, nur der Kopf ist leicht nach rechts gewendet. Die linke Hand hält ein Buch, die rechte umschloß ehemals einen Schlüssel, das Attribut des Heiligen.
Die Figur wurde von Garzarolli 1941 als Spätwerk des Meisters von Großlobming in die Literatur eingeführt und um 1425/1430 datiert. Die Prägnanz; und Schärfe der Gesichtsbildung, welche Knochenbau und Muskulatur gleichsam unter der Haut sichtbar machen, die feine, ornamentalisierte Haargestaltung und die sorgfältige Behandlung der Details haben ihre Entsprechung in den Werken des Meisters von Großlobming. Anstelle der höfischen Eleganz; liegen hier jedoch ein gesteigertes Körpervolumen und eine Verfestigung der Gesamtform vor, Kriterien, die für die Endphase des Weichen Stils sprechen. Auch das ausschwingende Abknicken der Gewandfalten am Boden ist Kennreichen einer späteren Phase, das beispielsweise auch an der unteren Reliefzone im Tympanon des Westportals der Wallfahrtskirche in Mariazell (1438/1439) aufscheint; und trotz; der Verschiedenheit der Medien von Malerei und Plastik sind darin Analogien zur gleichzeitigen Tafelmalerei gegeben, wie etwa zum Epitaph des Sigmund Waloch oder der St. Lambrechter Votivtafel.
Die genannten Stilkriterien lassen jedenfalls für die Figur eine Datierung "um 1435" zu. Vermutlich ist sie einem Künstler aus der Werkstätte des Meisters von Großlobming zuzuweisen.


Horst Schweigert


Literatur: Der Kirchenschmuck X (1879), S. 132. – Georg DEHIO, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg (Wien/Berlin 2. Aufl. 1938), S. 183. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, Mittelalterliche Plastik in Steiermark (Graz 1941), S. 42f., 101. – Plastik, Malerei und Kunstgewerbe des Mittelalters. Katalog (Graz 1947), S. 4f. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, L’art du Moyen Age en Autriche. Katalog (Genève 1950), S. 59, Kat. 236. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, Kapitel Plastik, in: Große Kunst aus Österreichs Klöstern (Mittelalter) (Wien 1950), Kat. 159. – Othmar WONISCH, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Lambrecht (= Österreichische Kunsttopographie XXXI, Wien 1951), S. 108, Nr. 3. – Rochus KOHLBACH, Die Stifte Steiermarks (Graz 1953), S. 88. – Otto SCHWARZ, Plastik, Malerei und Kunstgewerbe. Katalog des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum in Graz (Graz 1955), S. 44. – Dehio-Handbuch, Steiermark (Wien/München 4. Aufl. 1956), S. 17. – Rochus KOHLBACH, Steirische Bildhauer (Graz 1956), S. 342. – Karl GARZAROLLI–THURNLACKH, Hans, Maler in Judenburg und sein Schmerzensmann vom Pfenningberg, in: Kunstjahrbuch der Stadt Linz I (1961), S. 18. – Hans K. RAMISCH, Kapitel Plastik, in: Gotik in Österreich. Katalog (Krem 1967), S. 209, Kat. 162. – Rupert FEUCHTMÜLLER, Kunst in Österreich I (Wien/Hannover/Basel 1972).