Missale Benedictinum

Missale Benedictinum

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 174, S. 195.

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Leihgeber: Universitätsbibliothek Graz (Steiermark), Codex 299
Missale Benedictinum

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


12 Deckfarbeninitialen, teilweise mit Rahmen. Das Kanonbild fehlt.
Obersteirische Arbeit, St. Lambrecht (?) ; um 1470
Pergament, 314 Blatt, 28 x 19 cm. Textura. Blindstempelband mit Punzen, wie sie sich auch auf Graz, Codex 599 aus St. Lambrecht finden (Hinweis M. Mairold). Vielleicht t St. Lambrecht. Besitzvermerk für die Pfarrkirche St. Peter zu St. Lambrecht (heute Spitalskirche) mit Erwerbsvermerk von 1483 zum Preise von 14 Dukaten durch den Pfarrherrn F. Georg Kerschbaumer, beurkundet durch den Bruder des Abtes Johannes III., Johel Sachs. Dadurch wird ein ursprünglicher Zusammenhang mit St. Lambrecht wahrscheinlich.

Die qualitativ nicht überragende und leider ihres Kanonblattes beraubte Handschrift verdient deswegen Interesse, weil sie mit ihrer sehr kennzeichnenden Rankenornamentik und dem Rückgriff auf die schon bei dem Wiener Illuminator Michael modernen Tier-, insbesondere Bärengrotesken auf eine bisher unbeachtete Werkstatt hinweist. Kennzeichnend sind stark "aufgeblähte" doppelseitige Blattformen mit augenartiger Innenzeichnung, die zu einem kobraartigen Bild führen. Die wichtigsten hier anzureihenden Leistungen dieser Werkstatt sind die Initialen zweier der ältesten Inkunabeln der Steiermark in der Universitätsbibliothek Graz. Die Inkunabel 9718 enthält die deutsche Mentelin-Bibel (GW. 4295), in der die Jahreszahl 1467 mehrfach handschriftlich zu finden ist, und die lateinische Eggesteinbibel (GW. 4206). Diese hat in Graz ein Parallelstück in der Inkunabel 9426, welche in einen 1468 datierten Lederschnittband eingebunden ist. Die Betrauung mit der Illuminierung so kostbarer Drucke, die auch zu ihrer Zeit besonders wertvoll waren, belegt das Ansehen der Werkstatt zu ihrer Zeit. Alle Provenienzen weisen auf die Umgebung von St. Lambrecht.


Kurt Holter


Literatur: Antont KERN, Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz, Bd. 1, I. (Verzeichnis der Handschriften im deutschen Reich II.) (Leipzig 1942), S. 166f. (mit Lit.).