Missale Benedictinum

Missale Benedictinum

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 163, S. 189.

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Leihgeber: Universitätsbibliothek Graz (Steiermark)
Missale Benedictinum

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Ein Vollbild (Kanonbild), sieben Initialminiaturen, acht Initialen.
Salzburg (?); um 1420-1430.
Pergament, 460 Blatt, 35 x 25 cm. Vor dem Textbeginn fehlt ein Blatt, vermutlich mit einer Miniatur. Textura. Der Name Perkchaymer auf Blatt 272v könnte auf den Schreiber Bezug haben. Brauner Lederschnittband, auf dem Vorderdeckel die Datierung 1450, auf dem Rückdeckel die Inschrift Dominus Abbas Hainricus, die auf Abt Heinrich Moyker (1419 bis 1455) hinweist. Seit 1450 in St. Lambrecht nachgewiesen, die ursprüngliche Bestimmung ist unbekannt.

Die kunsthistorisch bisher wenig beachtete Handschrift weist in ihrer Ausstattung drei Hände auf: Die Haupthand malte das Kanonbild, das leider stark verschmutzt ist, und neun weitere Initialen, darunter auch Initialminiaturen: Folio 23v, 108r, 133r, 213v, 217r, 300v, 324r, 387v, 395v. Sie steht unter italienischem Einfluß, wie nicht zuletzt die Initialornamentik zeigt. Eine zweite Hand, der man die Initialen 151r, 287v, 347v und 400r verdankt, bietet insofern einen Datierungsanhalt, als sie mit der des Miniators identisch ist, der das bedeutende St. Lambrechter Missale von 1426 ausgestattet hat (vgl. B. Wohlgemut, in: Spätgotik in Salzburg, wie Nr. 162, 1972, S. 220, Nr. 239), dessen Kanonbild leider fehlt. Eine dritte schwache Hand hat die Initialen Folio 262r und 266v angefertigt.
Die Herkunft des Hauptmeisters aus dem "böhmischen" Kunstkreis liegt im Bereich der Möglichkeiten. In Salzburg selbst werden manche Bilder der Elpogen-Handschrift von 1410 (Universitätsbibliothek, M I 24) nicht außer Betracht bleiben können. Vgl. E. Frisch, Mittelalterliche Buchmalerei, Salzburg 1949, Farbtafel IV.


Kurt Holter


Literatur: Antont KERN, Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz, Bd. 1, I. (Verzeichnis der Handschriften im deutschen Reich II.) (Leipzig 1942), S. 219f. (mit Lit.). – Gerhard SCHMIDT, in: Gotik in Österreich (Krems 1967), S. 136.