Der heilige Florian wird von einem Adler bewacht

Der heilige Florian wird von einem Adler bewacht

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 123, S. 136.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Alte Galerie, 338
Der heilige Florian wird von einem Adler bewacht

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


"Meister des Krainburger Altars"; um 1500
Öl auf Holz; Retuschen, kleine Risse; 84 x 86,5 cm. Seit 1838 im Joanneum.

Diese Tafel ist ein Fragment eines größeren Altarretabels, von dem sich nach Benesch weitere Teile in den USA befinden (ehemals in Gleichenberg, Villa Wickenburg; "Bethlehemitischer Kindermord", früher New York, Kunsthandel; "Oberführung des Leichnams des heiligen Florian", Chicago, Art Institute). Wirken die übrigen drei Darstellungen in der Alten Galerie ("Geburt Christi", "Anbetung der Könige", "Erschlagung des heiligen Florian") im Bildaufbau konventionell, so haben wir in dieser Szene eine originell gelöste Vorlage vor uns. Die Schwingen des Adlers breiten sich über das ganze Bild aus. Dadurch erreicht die Darstellung fast monumentale Größe. Von besonderem Interesse ist die Landschaft. Es ist möglich, daß es sich hier um einen konkreten Ausschnitt einer österreichischen Landschaft handelt (nach der Legende spielte sich das Martyrium des Heiligen in Oberösterreich, an der Enns, ab). Der zeitliche Abstand unserer Tafel zu den Martyrienszenen der Österreichischen Galerie in Wien müßte wegen der großen stilistischen Unterschiede doch mehr als ein Jahrzehnt betragen. Der "Maler des Krainburger Altars" stellt einen der Grenzfälle altösterreichischer Tafelmalerei dar; seine Heimat ist entweder in der Steiermark oder in Krain anzunehmen. Suida, der die Grazer Tafeln einem steirisch-kärntnerischen Maler zuschrieb, wies auf verwandte Werke des jüngeren Frueauf in Klosterneuburg hin. Benesch betonte die Möglichkeit einer Schulung bei niederrheinischen oder niederländischen Meistern (vielleicht auch beim sogenannten "Bartholomäus-" oder "Virgomeister"). Pächt brachte den Stil des "Krainburgers" mit der zweiten niederländischen Einflußwelle in Zusammenhang und betonte seinen "synkretistischen Stil", der Salzburgisches, Niederländisches und Schongauersche Elemente verbinde. Neben den bekannten Tafelgemälden schrieb ihm Stele auch Fresken in St. Primus in Slowenien zu. Die stilistische Einordnung einer "Kreuzigung Christi" im Museum zu Straßburg bereitet allerdings Schwierigkeiten.


Gottfried Biedermann


Literatur: Wilhelm SUIDA, Altsteirische Bilder im Landesmuseum "Joanneum" zu Graz, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft 1908, S. 531. – Derselbe, Die Landesbildergalerie und Skulpturensammlung in GRaz (Wien 1923), S. 16f. – Otto PÄCHT, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg 1929), S. 64f., 83. – Otto BENESCH, Der Meister des Krainburger Altars, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 1932, S. 135ff., und in: Collected Writings, Bd. III, S. 161ff. – Artur ROSENAUER, Tafelmalerei, in: Gotik in Österreich, Katalog der Ausstellung (Krems a. d. Donau 1967), S. 11O, Nr. I5. – France STELÈ, Slikarstvo v Sloveniji od 12. do srede 16. stoletja (Ljubljana 1969), Abb. 188ff. – Elfriede BAUM, Katalog des Museums mittelalterlicher österreichischer Kunst (Wien/München 1977), S. 136ff. – Gottfried BIEDERMANN, Kunst des Mittelalters, Katalog des Landesmuseums Joanneum (Graz 1976), S. 74.