Flügelretabel mit Mantelspende des heiligen Martin

Flügelretabel mit Mantelspende des heiligen Martin

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 106, S. 129.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Alte Galerie, 316, 317, 318
Flügelretabel mit Mantelspende des heiligen Martin

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Steirisch; um 1440
Tempera auf Holz; Originalrahmen, kleine Sprünge, Retuschen; 170,5 x 11O,5 cm (geschlossen). Aus St. Katharein an der Laming. Geschenk 1857 an das Landesmuseum Joanneum.

Der heilige Martin, auf einem Pferd sitzend, ist in eine Bildarchitektur gestellt, die in ihrer Form zu dieser Zeit bereits veraltet war. Dieses Bildgehäuse steht mit der italienischen Malerei in Verbindung, die auf irgendeinem Weg wirksam geworden ist. Die Figuren sind von zerbrechlicher Körperlichkeit und weisen in ihrer eher unplastischen Modeliierung auf die heimische Tradition der Malerei hin. An den Flügelseiten sind Szenen aus dem Leben des heiligen Martin dargestellt (Heilung eines Besessenen, Auferweckung eines toten Knaben, Meßwunder).
Schon Suida wies auf den aus Oberitalien herrührenden Typus der Komposition hin. Oettinger ordnete den Meister in die Nachfolge der "Murtaler Werkstatt-Tradition" ein. Garzarolli zeigte an, daß der Maler sich von der böhmischen Malerei entfernt, aber noch keinen Anschluß an den "Realismus" gefunden habe, und brachte ihn in Verbindung mit "Konrad von Friesach", was jedoch zweifelhaft ist.


Gottfried Biedermann


Literatur: Wilhelm SUIDA, Altsteirische Bilder im Landesmuseum "Joanneum" zu Graz, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft 1908, S. 524ff. – Derselbe, Österreichische Kunstschätze (Wien 1911-1914), Bd. II, Nr. XLI-XLIII. – Derselbe, Die Landesbildergalerie und Skulpturensammlung in Graz (Wien 1923), S. 4f. – Otto PÄCHT, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg 1929), S. 82. – Otto BENESCH, Bemerkungen zu einigen Bildern des Joanneums, in: Blätter für Heimatkunde 1929, S. 76, und in: Collected Writings, Bd.III (London 1972), S. 12. – Karl GARZAROLLI- THURNLACKH, Zur Stilbildung und Filiation der obersteirischen Malerschule, im besonderen des Meisters der Votivtafel von St. Lambrecht, in: Jubiläums-Festschrift des Steiermärkischen Kunstvereins (Graz 1935), S. 11. – Otto DEMUS, Neue Forschungen zur Geschichte der ältesten Kärntner Tafelmalerei (1420-1475), in: Carinthia I 1936, S. 14ff. – Karl OETTINGER, Hans von Tübingen und seine Schule (Berlin 1938), S. 94f. – Karl GARZAROLLI- THURNLACKH, Die steirischen Malerschulen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Das Joanneum 1943, S. 216. – Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. XI (München/Berlin 1961), S. 65. - Gottfried BIEDERMANN, Kunst des Mittelalters, Katalog des Landesmuseums Joanneum (Graz 1976), S. 60f. – Derselbe, Zur Problematik steirischer Tafelmalerei um 1400, in: Alte und moderne Kunst 1977, S. 1ff.