Kreuztragung Christi

Kreuztragung Christi

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 99, S. 126.

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Leihgeber: Stadtmuseum Wels (Oberösterreich), 29.627
Kreuztragung Christi

© Stadtmuseum Wels (O.Ö.)


"Meister der Votivtafel von St. Lambrecht"; um 1430
Tempera auf Holz; erneuerter Goldgrund, Retuschen; 61,5 x 47 cm. Ursprünglich Privatbesitz (Linz); seit 1958 im Stadtmuseum Wels.

Die Darstellung unterscheidet sich in vielen Details von den bekannten Pendants in Wien und Graz. Gerade die raumplastische Qualität der Stadtarchitektur ist es, die uns hier besonders auffällt und im Vergleich zu den anderen genannten Kreuztragungen am reifsten erscheint. Die Vielzahl der Figuren und der Attribute (Lanzen, Fähnchen) bewirkt den Eindruck äußerst lebhafter Bewegtheit und Dynamik.
Garzarolli machte die Welser Tafeln zum ersten Mal bekannt und reihte sie in das Oeuvre des "Votivtafelmeisters" ein. Oettinger, der die beiden Tafeln als eigenhändige Arbeiten "Hans von Tübingens" ansah, kam zum Schluß, daß die Wiener "Kreuztragung" früher entstanden sein müsse als die vorliegende, eben weil sie "wilder und lauter" sei. Benesch sah die Abhängigkeit der Grazer "Kreuztragung" von der Welser Darstellung, die er zusammen mit dem "Gnadenstuhl" der Österreichischen Galerie zu den Frühwerken des Meisters zählte. Schmidt faßte die bekannten Kreuztragungsdarstellungen in Wien, Wels und Graz zu einer Gruppe zusammen, erkannte aber auch die stilistische Zugehörigkeit einer weiteren "Kreuztragung" in der Huntington Library (San Marino, Kalifornien). Für alle vier nahm er eine gemeinsame ikonographische Vorlage an, deren Nähe zu italienischen Vorbildern berechtigt erscheint.


Gottfried Biedermann


Literatur: Otto BENESCH, Neue Materialien zur altösterreichischen Tafelmalerei, in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen 1930, S. 155ff., und in: Collected Writings, Bd. III (London 1972), S. 85ff. – Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Zur Identität des Votivtafelmeisters von St. Lambrecht mit Hans von Judenburg, in: Festschrift E. W. Braun (Augsburg 1930), S. 47. – Ludwig BALDASS, Zur Chronologie, Werkstattführung und Stilableitung des Meisters der St. Lambrechter Votivtafel, in: Kirchenkunst 1934, S. 102. – Karl OETTINGER, Hans von Tübingen und seine Schule (Berlin 1938), S. 12ff. – Millard MEISS,An Austrian Panel in the Huntington Library, in: Art in America 1940, S. 30ff. – Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. XI (München/Berlin 1961), S. 13f. – Gerhard SCHMIDT, Die österreichische Kreuzigungstafel in der Huntington Library, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 1966, S. 1ff. – Gottfried BIEDERMANN, Zur Problematik steirischer Tafelmalerei um 1400, in: Alte und moderne Kunst 1977, S. 1ff.