Kreuzigungsretabel

Kreuzigungsretabel

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 90, S. 120.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Alte Galerie, 314
Kreuzigungsretabel

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Steirisch ("Meister der St. Lambrechter Kreuzigungsaltäre"); um 1420
Tempera auf Holz; Originalrahmen, kleine Fehlstellen, zum Teil neues Gold; 124 x 112,5 cm. Ankauf 1935 aus dem Stift St. Lambrecht.

Diese "Kreuzigung Christi", die bisher immer wieder dem Meister der "St. Lambrechter Kreuzigungsaltäre" zugeschrieben wurde, unterscheidet sich in der ikonographischen Auffassung sehr wesentlich von ihrem Pendant in der Peterskirche zu St. Lambrecht. Während wir hier Christus inmitten der Schächer sehen, hat der Künstler dort einen ikonographisch anderen Typus aufgegriffen: Der Gekreuzigte hängt einsam am Kreuz, ein Engel fängt in einem Kelch das Blut auf. Eine fast wörtliche Entsprechung der "Kreuzigungen" finden wir bei den Gruppen der Heiligen, zur Rechten Christi stehend; die Blickrichtungen dieser Personen sind mit Ausnahme der zuäußerst rechts stehenden auf beiden Retabeln identisch. Hingegen erkennt man bei den Soldaten unseres ausgestellten Werks eine größere Bewegungsintensität. Auf Grund der Unterschiede stellt sich wieder einmal die Frage, ob man beide Retabel ein und demselben Maler zuschreiben kann oder ob nicht vielmehr ein gemeinsames Vorbild zu suchen wäre.
Der Notname "Meister der St. Lambrechter Kreuzigungsaltäre" geht auf Suida zurück. Baldass betonte vor allem die Verwandtschaft unseres Retabels mit dem fragmentierten Altärchen im Wiener Diözesanmuseum (siehe "Fragmente eines Altärchens"). Oettinger bezeichnete unseren Künstler als "Schulgenossen" des Meisters des "Londoner Gnadenstuhls". Garzarolli wiederum machte ihn stilistisch abhängig vom Meister des "Stiftergruftaltars" (vgl. "Kreuzigung des heiligen Andreas", "Enthauptung des heiligen Dionysius"). Obereinstimmend wurden dem Oeuvre auch zwei Altarfragmente mit einem "Pfingstfest" und einem "heiligen Petrus" in St. Lambrecht angefügt, was aber doch problematisch erscheint.


Gottfried Biedermann

Gehe zu: "Kreuzigung des heiligen Andreas" (verso: "Verkündigung"), "Enthauptung des heiligen Dionysius"


Literatur: Norbert ZECHNER, Die Kirche des Benediktinerstiftes St. Lambrecht in Obersteier, in: Der Kirchenschmuck 1881, S. 53. – Wilhelm SUIDA, Österreichs Malerei in der Zeit Erzherzog Ernsts des Eisernen und König Albrechts II. (Wien 1926), S. 16. – Otto PÄCHT, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg 1929), S. 81. – Ludwig BALDASS, Das Ende des weichen Stiles in der österreichischen Tafelmalerei, in: Pantheon 1934, S. 373ff. – Derselbe, Zur Chronologie, Werkstattführung und Stilableitung des Meisters der St. Lambrechter Votivtafel, in: Kirchenkunst 1934, S. 104. – Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Malerei und Skulptur aus Steiermark bis 1440, Katalog der Ausstellung (Wien 1936), S. 16, 25, Nr. 37. – Othmar WONISCH, Archivalische Beiträge zu den St. Lambrechter Tafelbilder- und Plastikbeständen (Graz 1938), S. 20ff. – Karl OETTINGER, Hans von Tübingen und seine Schule (Berlin 1938), S. 70, 93. - Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Die steirischen Malerschulen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Das Joanneum 1943, S. 215. – Othmar WONISCH, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Lambrecht (= Österreichische Kunsttopographie XXXI, Wien 1051), S. 113. – Otto SCHWARZ, Kunst des Mittelalters, Katalog des Landesmuseums Joanneum (Graz 1955), S. 48. – Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. XI (München/Berlin 1961), S. 63. – Kurt WOISETSCHLÄGER, Peter KRENN, Alte steirische Herrlichkeiten (Graz 1968), S. 34, Nr. 50. – Gottfried BIEDERMANN, Kunst des Mittelalters. Katalog des Landesmuseums Joanneum (Graz 1976), S. 51. – Derselbe, Zur Problematik steirischer Tafelmalerei um 1400, in: Alte und moderne Kunst 1977, S. 1ff.