"Kreuzigung des heiligen Andreas" (verso: "Verkündigung"), "Enthauptung des heiligen Dionysius"

"Kreuzigung des heiligen Andreas" (verso: "Verkündigung"), "Enthauptung des heiligen Dionysius"

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 89 a,b, S. 120.

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Leihgeber: Benediktinerstift St. Lambrecht (Steiermark)

© Dr. Woisetschläger, Graz


"Meister des Stiftergruftaltars"; um 1420
Tempera auf Holz; erneuertes Gold, Kratzspuren; je 52 x 43,5 cm. Ursprünglich für das Stift St. Lambrecht bestimmt.

Der Notname des Künstlers leitet sich vom sogenannten "Stiftergruftaltar" her, der sich ursprünglich in der Nähe der Stiftergruft der Stiftskirche befunden haben soll. Dieser Altar muß zwischen 1410 und 1420 entstanden sein. Es ist wahrscheinlich, daß die beiden Fragmente zu dem genannten Altar gehörten, dessen Mittelteil nach P. Weixler (Chronik des Stiftes, um 1637) eine "Kreuzigung Christi" gewesen sei.
W. Suida brachte die Werke in stilistische Beziehung mit der "Strahlenkranzmadonna" (Siehe "Madonna im Strahlenkranz"). Wonisch schlug eine Datierung zwischen 1386 und 1421 (wahrscheinlich 1416) vor. Stange stellte das Oeuvre des Meisters zusammen, wobei er den "Stiftergruftaltar" als reifstes Werk bezeichnete und die "Kreuzigung Christi" im Schottenstift (siehe "Kreuzigung Christi") sowie Teile eines Altärchens im Wiener Diözesanmuseum (siehe "Fragmente eines Altärchens") zeitlich vorreihte. Die Zuschreibung dieser Werke an einen Künstler ist durchaus nicht unproblematisch. Die Täfelchen mit der Marter der heiligen Andreas und Dionysius sind jedenfalls die reifsten Werke dieser Gruppe, was sich in der raumhaften Komposition, zarten Modellierung der Figuren und im zarten Kolorit ausdrückt.


Gottfried Biedermann

Gehe zu: Kreuzigung Christi ; Fragmente eines Altärchens: Epiphanie ; Madonna im Strahlenkranz


Literatur: Norbert ZECHNER, Die Kirche des Benediktinerstiftes St. Lambrecht in Obersteier, in: Der Kirchenschmuck 1881, S. 52. – Wilhelm SUIDA, Österreichs Malerei in der Zeit Erzherzog Ernsts des Eisernen und König Albrechts II. (Wien 1926), S. 15f. – Otto PÄCHT, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg 1929), S. 82. – Ludwig BALDASS, Zur Chronologie, Werkstattführung und Stilableitung des Meisters der St. Lambrechter Votivtafel, in: Kirchenkunst 1934, S. 102. – Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Zur Stilbildung und Filiation der obersteirischen Malerschulen, im besonderen des Meisters der Votivtafel von St. Lambrecht, in: Jubiläums-Festschrift des Steiermärkischen Kunstvereines (Graz 1935), S. 5. - Derselbe, Malerei und Skulptur aus Steiermark bis 1440, Katalog der Ausstellung (Wien 1936), S. 15, 24f., Nr. 32, 33. – Karl OETTINGER, Zur Malerei um 1400 in Österreich, in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien 1936, S. 61. – Othmar WONISCH, Archivalische Beiträge zu den St. Lambrechter Tafelbilder- und Plastikbeständen (Graz 1938), S. 10f. – Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Die steirischen Malerschulen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Das Joanneum 1943, S. 203. – Karl OETTINGER, Hans von Tübingen und seine Schule (Berlin 1938), S. 69. – Othmar WONISCH, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Lambrecht (= Österreichische Kunsttopographie XXXI, Wien 1051), S. III. – Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. XI (München/Berlin 1961), S. 60. – Gottfried BIEDERMANN, Zur Problematik steirischer Tafelmalerei um 1400, in: Alte und moderne Kunst 1977, S. 1ff.