Passionsretabel (Kreuztragung, Kreuzigung, Beweinung)

Passionsretabel (Kreuztragung, Kreuzigung, Beweinung)

In: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. – Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 86, S. 118.

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Leihgeber: Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum (Graz, Steiermark), Alte Galerie, 302
Passionsretabel (Kreuztragung, Kreuzigung, Beweinung)

© Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Graz


Steirisch (Wölfel von Neumarkt) ; um 1360/1370
Tempera auf Fichtenholz; Originalrahmen, kleine Risse, Retuschen; 99 x 235 cm. Aus dem Stift St. Lambrecht. Ankauf 1935.

Das Werk ist eine Inkunabel steirischer Tafelmalerei. Als ursprünglicher Standort wurde die Stiftskirche angesehen; 1366 ist von einem "Kreuzesaltar" die Rede, nicht ganz sicher ist es aber, ob dieser mit dem gezeigten Retabel identisch ist. Das Totenbuch von St. Lambrecht nennt in der fraglichen Zeiteinen "Ulricus pictor istius loci", was beweist, daß das Stift einen eigenen Maler besessen haben muß. Der Name "Wölfel von Neumarkt" ist selbstverständlich nur ein Notname, den Garzarolli für das Retabel beanspruchte. Stilistisch steht das Werk mit der Steiermark in Verbindung, weist jedoch auch auf Einflüsse böhmischer und italienischer Malerei hin.
W. Suida stellte das Retabel in den historischen Rahmen der Regentschaft Herzog Ernsts des Eisernen von Steiermark. O. Pächt verwies besonders auf die "böhmische Stilgrundlage" ("Meister von Hohenfurth"). A. Stange bezeichnete das Werk als richtungweisend für die steirische Malerei bis 1430 und stellte es in den Stilzusammenhang mit der "Kaufmannschen Kreuzigung" (Berlin, Staatliche Museen). K. Garzarolli betonte den Einfluß böhmischer Malerei, besonders des Prager Hofkreises um Karl IV., und schlug den Notnamen "Wölfel von Neumarkt" vor. O. Wonisch klärte die Fragen der Lokalisierung. Neuerdings brachte E. Bacher (siehe Artikel zur Glasmalerei) das Retabel mit einigen Glasgemälden in Straßengel bei Graz in Verbindung.


Gottfried Biedermann


Literatur: Norbert ZECHNER, Die Kirche des Benediktinerstiftes St. Lambrecht in Obersteier, in: Der Kirchenschmuck, 1881, S. 51. – Wilhelm SUIDA, Österreichs Malerei in der Zeit Erzherzog Ernsts des Eisernen und König Albrechts II. (Wien 1926), S. 18. – Otto PÄCHT, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg 1929), S. 69. – Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Malerei und Skulptur aus Steiermark bis 1440. Katalog der Ausstellung (Wien 1936), S. 14. - Othmar WONISCH, Archivalische Beiträge zu den St. Lambrechter Tafelbilder- und Plastikbeständen (Graz 1938), S. 5f. – Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Die steirischen Malerschulen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Das Joanneum 1943, S. 2O1ff. – "Große Kunst aus Österreichs Klöstern". Katalog (Wien 1950), S. 42, Nr. 143. – Othmar WONISCH, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Lambrecht (= Österreichische Kunsttopographie XXXI, Wien 1951), S. 10f. – Otto SCHWARZ, Kunst des Mittelalters, Katalog des Landesmuseums Joanneum (Graz 1955), S. 28. – Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. XI (München/Berlin 1961), S. 59ff. – Kurt WOISETSCHLÄGER, Peter KRENN, Alte steirische Herrlichkeiten (Graz 1968), S. 14, Nr. 16. – Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. I (Reprint Nendeln 1969), S. 189ff. – Gottfried BIEDERMANN, Kunst des Mittelalters. Katalog des Landesmuseums Joanneum (Graz 1976), S. 18. – Gottfried BIEDERMANN, Zur Problematik steirischer Tafelmalerei um 1400, in: Alte und moderne Kunst 1977, S. 1ff.