Friedensschlüsse von Rastatt und Baden im Aargau, 1714 März 6/September 7. Französische Ratifikation des Friedens von Rastatt, 1714 März 23

Friedensschlüsse von Rastatt und Baden im Aargau, 1714 März 6/September 7. Französische Ratifikation des Friedens von Rastatt, 1714 März 23

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 17.24a, S. 678.

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Leihgeber: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien), AUR 1714 III 23
Friedensschlüsse von Rastatt und Baden im Aargau, 1714 März 6/September 7. Französische Ratifikation des Friedens von Rastatt, 1714 März 23

© Fotostudio Otto, Wien


Pergamentlibell, 26 Folien, 34 x 26 cm Wachssiegel in silberner Siegelkapsel an blau-goldener Siegelschnur, Durchmesser 13,2 cm

Weiters ausgestellt war:
b) Separatartikel des Badener Friedens 1714 September 7
Original, Papier, 2 Folien, 37 x 24,5 cm
6 aufgedrückte Lacksiegel
Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien), Allgemeine Urkundenreihe 1714 IX 7, folio 25-26
Einem vierzehnjährigen Krieg, der alle führenden Staaten Europas involviert hatte, wurde mit den drei Friedensschlüssen von Utrecht (11. April 1713), Rastatt und Baden/Aargau ein Ende gesetzt. Das langjährige Ringen in wechselnden Allianzen entzündete sich an der Entwicklung in Spanien, wo der letzte Habsburger König Karl II. kinderlos im Jahr 1700 starb. Anders als im 16. Jahrhundert, in dem Länderteilungen innerhalb der "Maison d'Autriche-Bourgogne" ohne Widerstand benachbarter Mächte möglich waren, hatte der Westfälische Frieden 1648 gleichberechtigte Territorien als Garanten der bestehenden Ordnung geschaffen und damit die Autorität der geistlichen und weltlichen Spitze der Christenheit gebrochen. Mit eifersüchtiger Beunruhigung beobachtete Europa die absehbare Entwicklung einer gigantischen Ländermasse, die in der Hand des österreichischen Zweiges der Casa de Austria vereinigt sein würde, – aber auch mit eben derselben Haltung die Bestrebungen Frankreichs, über die Pyrenäen hinaus die iberische Halbinsel mit ihren unermeßlichen amerikanischen Kolonien an sich zu bringen. Mit dem Spanischen Erbfolgekrieg veränderten sich die Grenzen des Kontinents, eine neue Staatenordnung wurde festgelegt. Wenn es auch anfangs so aussah, als könne sich Erzherzog Karl, der jüngere Sohn Kaiser Leopolds I., mit englischer Hilfe als König Karl III. von Spanien behaupten, so erwies sich seine Herrschaft nur als kurzes Zwischenspiel, denn im Frieden von Utrecht, dem Karl – nunmehr als Kaiser der Sechste – nicht beitrat, einigten sich England und Frankreich auf den bourbonischen Kandidaten. Eine Einschränkung für einen französischen Triumph bedeutete die Auflage, daß Frankreich und Spanien nie zusammengeschlossen werden dürften. Ein Jahr später mußte sich der Kaiser mangels militärischer Überlegenheit bequemen, mit den Artikeln von Rastatt dem Frieden beizutreten. Dem diplomatischen Geschick seines großen Feldherren Prinz Eugen von Savoyen als Unterhändler hatte er es zu danken, daß als spanisches Erbe Mailand, Neapel, Sardinien (ein paar Jahre danach gegen Sizilien ausgetauscht), Mantua und die Niederlande an ihn fielen. Spanien selbst war für Habsburg verloren,– trotzdem befand sich die Monarchia Austriaca auf dem Weg zu ihrer größten Ausdehnung.
Papier hatte sich zwar als Beschreibstoff durchgesetzt, die feierliche Ratifikation blieb jedoch weiterhin dem Pergament vorbehalten. Das französische Exemplar, mit dem König Ludwig XIV. die Abmachungen anerkannte, präsentiert sich als kalligraphisch ausgestattetes Pergamentlibell, das durch die blau-goldene Siegelschnur gebunden wird. Die Initiale L wird zum Träger für die Königskrone umfunktioniert.
Während die Habsburger stets ihre Wachssiegel als künstlerisch hochstehende Siegelbilder gestalten ließen, liegt die Stärke bei den Franzosen in der fein gravierten Silberkapsel, auf der man zwei ineinander verschlungene L erkennt.
Kaum jemandem ist bewußt, daß es noch eines dritten Instruments bedurfte, um den Schlußpunkt für alle langwierigen Verhandlungen zu setzen: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation war als Partner noch nicht in die Vereinbarungen einbezogen. Dies geschah durch den Vertrag von Baden im eidgenössischen Aargau, wo sich französische und Reichsbevollmächtigte zur Redaktion des Textes trafen, dessen Inhalt sich mit den Artikeln von Rastatt deckte. Schon im Mai 1714 begannen die Reichsvertreter Peter Graf Goess und Johann Friedrich Graf Seilern und die Franzosen François-Charles Comte du Luc und Dominique de Barbarie, Sieur de Saint-Contest mit ihrer Arbeit, während die beiden Hauptbevollmächtigten Prinz Eugen von Savoyen und der Duc de Villars sich erst kurz vor dem 7. September in Baden einfanden.
Die Sprache des Reichs im Schriftverkehr mit einer ausländischen Macht mußte Latein sein, dem die Namen des Savoyers und seiner Kollegen angeglichen wurden. Die Franzosen bedienten sich trotz der lateinischen Ausformulierung ihrer Muttersprache. Der "articulus separatus" bezog sich auf den Umstand, daß Karl VI. in seinem großen Titel zu Beginn all jene Länder und Herrschaften anführte, die mit dem Utrechter Frieden an seinen Widersacher gefallen waren: Die realpolitische Situation, der man sich beugen mußte, mochte im Augenblick König Philipp V. begünstigen, den Anspruch auf die verlorenen Kernländer der spanischen Habsburger gab man deshalb nicht auf. Die Anfügung des Separatartikels nach dem Vertragstext täuscht über die tatsächliche zeitliche Abfolge, denn er wurde vor der Signierung aller Friedensartikel unterfertigt. Nur diese Vorgangsweise gewährleistete, daß sich Frankreich nicht noch im letzten Moment weigerte, den Vertrag selbst zu besiegeln. Gleichzeitig wurde festgehalten, daß Karls Titelgebrauch kein Präjudiz bilden dürfe.


Christiane Thomas

Gehe zu: Friede von Passarowitz, 1718 Juli 27. Osmanische Ratifikation des Handelsvertrags zwischen Österreich und der Pforte, 1718 Juli 29 - August 7


Literatur: Druck (Rastatt): Feldzüge des Prinzen Eugen, hg. v. d. kriegsgeschichtlichen Abteilung des k.u.k. Kriegs- Archivs, Bd. 15 (Wien 1992) 568-583. Leopold Auer, Hegemonie oder Gleichgewicht. Mächtegruppierungen in Europa 1683-1740. In: Prinz Eugen und das barocke Österreich, hg. Karl Gutkas (Salzburg-Wien 1985) 99-110; Christiane Thomas, Separatartikel des Friedens von Baden/Aargau. In: 700 Jahre Schweiz. Helvetia-Austria, Ausstellungskatalog Bd. 14 des Österreichischen Staatsarchivs (Wien 1991) 50f.