Belehnung der Brüder Albrecht und Rudolf, Grafen von Habsburg, mit den Herzogtümern Österreich und Steier(mark) sowie mit Krain und der Windischen Mark durch König Rudolf I., 1282 Dezember 27

Belehnung der Brüder Albrecht und Rudolf, Grafen von Habsburg, mit den Herzogtümern Österreich und Steier(mark) sowie mit Krain und der Windischen Mark durch König Rudolf I., 1282 Dezember 27

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 17.04, S. 652.

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Leihgeber: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien), AUR 1282 XII 27
Belehnung der Brüder Albrecht und Rudolf, Grafen von Habsburg, mit den Herzogtümern Österreich und Steier(mark) sowie mit Krain und der Windischen Mark durch König Rudolf I., 1282 Dezember 27

© Fotostudio Otto, Wien


Original, Pergament, 39,5 x 44 cm
Majestätssiegel als Goldene Bulle an geIb-roten Seidenfäden, Durchmesser 4,7 cm

Erst über vier Jahre nach der Entscheidungsschlacht gegen König Ottokar II. Przemysl von Böhmen traf König Rudolf I. seine endgültige Entscheidung über eine neue Vergabe der ehemals babenbergischen Länder. Der Zustimmung zu seinen Plänen durch all jene Reichsfürsten, die "aus langer Gewohnheit" das Recht hatten, den König zu wählen, hatte er sich bereits zwischen Juli und September 1282 versichert. So konnte auf dem Reichstag von Augsburg zwischen 17. und 23. Dezember der Belehnungsakt für die beiden Söhne, die nunmehrigen Herzöge Albrecht I. und Rudolf II., vorgenommen werden, auf den in der einige Tage später ausgestellten Belehnungsurkunde angespielt wird. Neben den Herzogtümern Österreich und Steier werden Krain und die Windische Mark so angeführt, als seien sie von gleichem Rang, – erst bei der Belehnung des Grafen Meinhard II. von Tirol mit dem Herzogtum Kärnten am 1. Februar 1286 wird korrekt von den Herren, nicht den Herzögen oder Fürsten beider Gebiete gesprochen. Der territoriale Umfang und die Art der Zuerkennung als Reichslehen entsprechen dabei dem Stand unter den Babenbergern Leopold VI. und Friedrich II. dem Streitbaren und den zusätzlichen Erwerbungen König Ottokars II. Im Gegenzug leisten die Belehnten den Lehenseid und bekleiden nunmehr den Rang von Reichsfürsten mit allen damit verbundenen Rechten. Eine illustre Gesellschaft geistlicher und weltlicher Würdenträger des Reiches wird als Zeugen dieser weittragenden königlichen Maßnahme genannt. Wer erinnert sich hier nicht an das Schlußbild von Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende", in dem der Dichter die in der Urkunde festgehaltene Belehnungszeremonie ins Szenische umsetzt? Im Kanon der aufgezählten Länder fehlt das Herzogtum Kärnten. In diesem Fall wird die definitive Regelung noch einige Jahre hinausgezögert. Ohne in die Auseinandersetzungen der Historiker eingreifen zu wollen, soll nur festgehalten werden, daß der Belehnungsakt auch für Kärnten galt, aber nicht mit einer "in perpetuum" geltenden Urkunde fixiert wurde, womit der Charakter eines Provisoriums angedeutet wird. Der überragenden Bedeutung des Ereignisses entsprechen äußere Form und Sprache des Dokuments: Der über bürgerlichen Gesetzen stehende Herrscher, der als ihr Schöpfer nicht durch sie gebunden ist, beugt sich dem Naturgesetz in der Förderung seiner eigenen Familie. Für derart grundsätzliche Aussagen, wie sie mit dieser Urkunde getroffen werden, wird statt des Wachssiegels als Zeichen der Unterschrift zum Siegel aus Gold, zur Goldenen Bulle, gegriffen in der Form von dünnen runden Goldfolien, denen die Siegelbilder aufgeprägt werden.


Christiane Thomas


Literatur: Druck und Abbildung: 1100 Jahre Österreichische und europäische Geschichte in Urkunden des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, hg. Leo Santifaller, (Wien 1949) 10f., Tafel 14. Druck und Lit.: Ausgewählte Urkunden zur Verfassungsgeschichte der deutsch-österreichischen Erblande im Mittelalter, hg. Ernst Freiherr von Schwind und Alfons Dopsch (Neudruck Aalen 1968) 132f., n. 67; Die Regesten des Kaiserreichs unter Rudolf, Adolf, Albrecht, Heinrich VII. 1273-1313, hg. Oswald Redlich (Innsbruck 1898) 383, n. 1743; Oswald Redlich, Rudolf von Habsburg (Innsbruck 1903) 380f.