Das Türkenbefreiungsdenkmal im Stephansdom

Das Türkenbefreiungsdenkmal im Stephansdom

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 14.8.14, S. 605.

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Leihgeber: Erzbischöfliches Dom- u. Diözesanmuseum (Wien) - Leihgabe aus dem Stephansdom, Prot.-Nr. L - 146
Das Türkenbefreiungsdenkmal im Stephansdom

© Dom- u. Diözesanmuseum, Wien (Foto Fayer & Co G.m.b.H.)


Edmund Hellmer (1850-1935),1883
Modell, Holz und Wachs, 138 x 85 x 33 cm

Aus Anlaß des bevorstehenden 200-Jahr-Jubiläums der zweiten Türkenbelagerung ließ der Unterrichtsminister Conrad von Eybesfeld eine Konkurrenz für ein Türkenbefreiungsdenkmal ausschreiben. Hellmers Entwurf fand einhellige Zustimmung. Das Denkmal wurde im Erdgeschoß des Stephansturmes, an der Westseite, von 1883 bis 1894 realisiert. Durch die schweren Beschädigungen beim Brand des Domes im April 1945 sind davon nur mehr Bruchstücke vorhanden. Das gegenüber der Durchführung in einigen Zügen abweichende Modell blieb erhalten. Das Denkmal lehnt sich im Aufbau an das Vorbild barocker Altarretabeln an, das hier freilich triumphbogenartig ausgestaltet wurde. Die Basis bildet ein Sockel mit einer Darstellung der Entsatzschlacht von Wien am 12. September 1683. Links davon stehen Bürgermeister Johann Andreas Liebenberg (1627-1683) und Bischof Siegfried Graf Kollonitsch (1631-1707). Im Zentrum, quasi an der Stelle des Altarbildes, steht eine Reiterdarstellung des Grafen Rüdiger von Starhemberg (1638-1701), über dem eine geflügelte Victoria (Allegorie für den Sieg) schwebt. Zu Füßen des Pferdes liegt ein besiegter Türke, um den Grafen scharen sich Bürger und Studenten. Im oberen Teil der Architektur stehen einander zwei Gruppen von Türkensiegern gegenüber – rechts Herzog Karl von Lothringen (1643-1690) und Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647-1691), links König Johann Sobieski von Polen (1624-1696) und Max Emanuel von Bayern (1662-1726). In der Mitte zeigt eine Kartusche die Insignien der Herrschaft Kaiser Leopolds I. (1640-1705, Kaiser ab 1658), der das Denkmal bekrönt. – Anders als auf dem Modell stand an der Spitze des verwirklichten Denkmals als Folge einer Kritik von kirchlicher Seite eine Maria-Immaculata-Darstellung. Der kirchliche Einspruch erscheint im Hinblick auf die Situierung des Denkmals nicht ganz unbegründet, ist hier doch in barock-kirchlichem Gewand ein völlig säkularisiertes Denkmal geschaffen worden.


Ernst Bruckmüller


Literatur: Arthur Saliger, Waltraut Kuba-Hauck, Dom- und Diözesanmuseum Wien (Wien 1987) 288, Nr. 176.