Der Salzburger Bauernführer Mathias Stöckl

Der Salzburger Bauernführer Mathias Stöckl

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 14.3.09, S. 462.

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Leihgeber: Museum Carolino Augusteum (Salzburg), 515/42
Der Salzburger Bauernführer Mathias Stöckl

© Salzburger Museum Carolino Augusteum, Salzburg


Signiert G. Sigl pinx. 1820
Öl auf Papier (auf Leinwand aufgezogen)
70 x 60 cm

Mathias Stöckl war sicher keine zentrale Gestalt des Salzburger Bauernaufstandes von 1525, sondern nur ein kleiner Rädelsführer. Dennoch hat er nicht nur als Randfigur der Lokalgeschichte, sondern als einziger Salzburger Bauernkrieger auch in Form einer bildlichen Darstellung überlebt – wobei gleich hinzugefügt werden muß, daß es mit deren historischer Authentizität nicht allzu weit her ist.
Stöckl, ein Bauernsohn aus Bramberg im Pinzgau, befand sich an der Spitze jener aufrührerischen Bauern, die am Pfingstmontag des Jahres 1525 zu nächtlicher Stunde durch das Steintor in die Stadt Salzburg einmarschierten und hier für einige Umtriebe sorgten. Die Bürger selbst, die mit ihrem geistlichen Landesherrn auf keinem guten Fuß standen, hatten dieser Besetzung Vorschub geleistet und Erzbischof Matthäus Lang gezwungen, sich auf der Festung Hohensalzburg zu verschanzen.
Von Stöckl wird weiters berichtet, daß er mit seinen Leuten durch die Gassen der Stadt stürmte und an den Türen der vornehmsten Häuser Anschläge folgenden Wortlauts heftete: "Dis haus ist mein, bis der unschuldige todt meines bruedern gerochen wird". Dieser besagte Hans Stöckl war wenige Monate zuvor auf der Festung inhaftiert und ohne gerichtlichen Schuldspruch enthauptet worden. Zusammen mit einem Gefährten hatte er den wegen ketzerischer Predigten zu "ewigem Gefängnis" verurteilten Tiroler Priester Eustachius während dessen Überstellung nach Mittersill in einem Handstreich befreit. Dieser relativ geringfügige Vorfall brachte die Unzufriedenheit der Salzburger Bauern zum Überlaufen und wurde so zum auslösenden Moment der Rebellion gegen den Erzbischof. In den Gebirgsgauen rotteten sich die Bauern vor allem im Zeichen der Rache für ihren hingerichteten Landsmann zusammen. Späteren Geschlechtern blieb als Personifikation des Widerstandes gegen die erzbischöfliche Obrigkeit, der auch noch in späteren Jahrhunderten immer wieder aufloderte, offensichtlich besonders jener verwegene Mathias Stöckl im Gedächtnis haften. Auf der votivbildartigen Darstellung von 1820, für die wir eine ältere Vorlage annehmen dürfen, reitet er in voller Rüstung und mit Schwert auf einem Schimmel – ein ausdrückliches Privileg des Erzbischofs – gegen die im Hintergrund sichtbare Festung an. Der ritterliche Aufzug gehört natürlich ebenso ins Reich der Phantasie wie die 30.000 Männer, die die Bildlegende anführt. Neben ihm sind verschiedene Waffen, aber auch eine rotweiße Fahne und ein Legatenkreuz aufgepflanzt, auf dem Boden sind vier hölzerne Kanonen zu sehen, mit denen die erbärmlich ausgerüsteten Bauern damals versuchten, die Festung zu erstürmen.


Nikolaus Schaffer