"Codex Millenarius Minor"

"Codex Millenarius Minor"

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 10.1.01, S. 248.

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Leihgeber: Benediktinerstift Kremsmünster (Oberösterreich), Stiftsbibliothek, CC Cim. 2

© Benediktinerstift Kremsmünster (Kunstverlag Hofstetter, Ried im Innkreis)


Einband: getriebene und ziselierte Silberplatte, teilweise vergoldet und emailliert.
Codex: überwiegend Pergament. 245 Blätter
27 x 20,5 cm.

Von den beiden alten Evangelienhandschriften im Besitz der Stiftsbibliothek Kremsmünster steht der Millenarius Minor ein wenig im Schatten des älteren und berühmteren Millenarius Maior, des "eigentlichen" Codex Millenarius. Doch auch der Minor verdient spezifisches Interesse: er wurde noch im 9. Jahrhundert aus mehreren Teilen unterschiedlicher Provenienz, von denen bisher nur der älteste einem bestimmten Skriptorium, dem von Freising, zugeordnet werden kann, zu einem Vollevangeliar vereinigt. Vielleicht kam er als königliches Geschenk Arnulfs von Kärnten, dem das Kloster eng verbunden war, nach Kremsmünster. Der ausgeprägt "malerische" Stil der beiden erhaltenen Evangelistenbilder – aufgeschlagen Markus (Blatt 73v) – könnte sich aus der Tradition der frühen Hofschule Karls des Kahlen herleiten (Holter 1991), mag auch der Künstler selbst, wie es stilistisch eng verwandte Darstellungen in einem Augsburger und in einem jetzt Wiener Evangeliar nahelegen, im bayerisch-österreichischen Raum gearbeitet haben. Abgesehen von der Handschrift ist auch der Einband besonders hervorzuheben. Der Codex hatte immer schon einen kostbaren Einband; bereits im Mittelalter diente dieser auch als Reliquiar. Der derzeitige Einband wurde um 1600 verfertigt. Die Vorderseite bildet eine getriebene und ziselierte Silberplatte, teilweise vergoldet und emailliert; am Vorderdeckel befindet sich ein sehr hochgetriebenes Relief der Madonna (in dem sich noch heute Reliquien befinden) und von Engeln.


Hauke Fill


Literatur: Kurt Holter, Kunstschätze der Gründungszeit. In: Die Anfänge des Klosters Kremsmünster (Mitteilungen des Oberöst. Landesarchivs, ErgBd. 2 Linz 1978) 111-143, speziell 129-143; Ders., Die Evangelistenbilder des Codex Millenarius Minor von Kremsmünster (Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins – Freunde der Landeskunde 1991, Bregenz 1991) 277- 290; Hauke Fill, Katalog der Handschriften des Benediktinerstiftes Kremsmünster, Teil 1 (Denkschriften der phil.-hist. Kl. der Österr. Akademie der Wissenschaften 166, Katalogband, Wien 1984) 36-40 mit Lit.