Die Einsetzung des Kärntner Herzogs am Fürstenstein

Die Einsetzung des Kärntner Herzogs am Fürstenstein

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 6.1.05, S. 145.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Kärntner Landesarchiv (Klagenfurt, Kärnten), Ständisches Archiv, Hs. 1012, fol. 3
Die Einsetzung des Kärntner Herzogs am Fürstenstein

© Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt


Wappenbuch A des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt.
Josef Ferdinand Fromiller signiert und datiert 1748
Aquarell auf Papier, 41 x 29,5 cm

Der steirische Reimchronist und Abt Johannes von Viktring berichten ausführlich über jene denkwürdigen Zeremonien, denen sich noch zu ihren Zeiten jeder neue Kärntner Herzog am Fürstenstein bei Karnburg und am Herzogstuhl im Zollfeld unterhalb von Maria Saal unterziehen mußte. Im Rahmen einer Neuausgestaltung der Repräsentativräume des Klagenfurter Landhauses schuf der bedeutendste Kärntner Barockmaler Josef Ferdinand Fromiller (1693-1760) um 1740 im Auftrag der Landstände unter anderem an der Nordwand des Großen Wappensaales ein Fresko dieses Inhalts. Nach Fertigstellung der Wappensäle kopierte er die Wappen der Landstände und ihrer Funktionäre sowie zwei der szenischen Fresken in neuangelegte Bücher, die bis Ende der ständischen Epoche als landschaftliche Matrikel in Verwendung standen (heute im Kärntner Landesarchiv). Das vorliegende Blatt zeigt in einer phantasievollen römischen Ruinenlandschaft den Herzog in bäuerlicher Kleidung, eine Schafschippe haltend, samt Gefolge. Er ist eben im Begriffe, dem auf dem Fürstenstein sitzenden Edlingerbauern, welcher ihm "in windischer rede" Fragen gestellt hatte, eine Münze in die Hand zu drücken und ihm ein Pferd und ein Rind zu übergeben. Erst danach machte der Edlinger dem Herzog am Stein Platz, worauf dieser durch Schwertstreiche in alle vier Himmelsrichtungen symbolisch seinen Herrschaftsantritt zum Ausdruck brachte. Diese bäuerlich-demokratische Zeremonie war zum Zeitpunkt Fromillers bereits ein Anachronismus und wurde daher in einigen Punkten nicht mehr verstanden. So wird hier die Einsetzung fälschlicherweise als "Huldigungs Act auf dem Zohlveldt" bezeichnet, was eigentlich für die Zeremonien am Herzogstuhl zuträfe. Trotzdem galt die Herzogseinsetzung als entscheidendes Symbol des politischen Landes(selbst)bewußtseins und fand deshalb Eingang in die ständische Ikonographie des Spätbarock.


Wilhelm Deuer

Gehe zu: Der Herzogstuhl auf dem Zollfeld bei Maria Saal


Literatur: P. Puntschart, Herzogseinsetzung und Huldigung in Kärnten. Ein verfassungs- und kulturgeschichtlicher Beitrag (Leipzig 1899); M. Wutte, Die Wappen in den Wappensälen des Landhauses zu Klagenfurt und in den Wappenbüchern des Kärntner Landesarchivs. In: Carinthia I 127 (1937) 109-146; B. Grafenauer, Ustoličevanje koroških vojvod in država karantanskih Slovencev [Die Kärntner Herzogseinsetzung und der Staat der Karantanerslawen] (Ljubljana 1952); A. Ogris, Fürstenstein und Herzogstuhl – Symbole der Kärntner Landesgeschichte im Widerstreit ethnischer und territorialer Tendenzen in der slowenischen Geschichtsschreibung, Publizistik und Politik. In: Carinthia I 183 (1993) 729ff.; Der Kärntner Herzogstuhl im Wandel der Geschichte. In: W. Neumann, Bausteine zur Geschichte Kärntens. Festgabe für Wilhelm Neumann zum 70. Geburtstag (= Das Kärntner Landesarchiv 12, Klagenfurt ²1994) 15-23.