Der Herzogstuhl auf dem Zollfeld bei Maria Saal

Der Herzogstuhl auf dem Zollfeld bei Maria Saal

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 6.1.04, S. 144.

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Der Herzogstuhl auf dem Zollfeld bei Maria Saal

© Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt


Markus Pernhart, Mitte 19. Jahrhundert
Faksimile einer Bleistiftzeichnung auf Papier 27,9 x 39,8 cm
Original im Geschichtsverein für Kärnten im Landesmuseum für Kärnten/Klagenfurt

Nach der Einsetzungszeremonie am Fürstenstein (siehe "Die Einsetzung des Kärntner Herzoges am Fürstenstein") wohnte der neue Kärntner Herzog samt Gefolge einer feierlichen Messe in der Kirche von Maria Saal teil, die der Überlieferung nach vom Salzburger Chorbischof Modestus gegründet worden sein soll und im Volksmund noch heute als Dom bezeichnet wird. Anschließend an das Festmahl begab sich die Versammlung zum Herzogstuhl, einem steinernen Doppelsitz aus elf antiken bzw. karolingischen Steinblöcken mit gemeinsamer Rückenlehne, der nach mehrheitlicher Meinung der Forschung in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts zu setzen ist, als Karantanien insbesondere unter dem späteren Kaiser Arnulf von Kärnten eine Art Unterkönigtum des Regnum Bavaricum war. Am östlichen Sitz nahm der neue Landesherr Platz und schwor zunächst die Einhaltung der Rechte und Freiheiten des Landes, dann hielt er Gericht und verteilte bzw. bestätigte die Lehen. Den Westsitz nahm im Spätmittelalter der Graf von Görz als Pfalzgraf ein. Die feudal-dynastischen Zeremonien am Herzogstuhl hielten sich länger als die bis 1414 gebräuchlichen bäuerlich-demokratischen am Fürstenstein: Letztmals wurde hier ein Erzherzog im Jahre 1597 persönlich eingesetzt (Ferdinand II.), während Einsetzungen landesfürstlicher Kommissäre noch bis 1651 erfolgten. 1834 veranlaßten die Kärntner Landstände die Renovierung und Einfriedung des Herzogstuhles nach nationalen Kontroversen um eine irrtümliche slowenische Deutung seiner römischen Inschrift. Im Zuge slowenischer Gebietsansprüche an Kärnten nach den beiden Weltkriegen und im Umfeld der Volksabstimmung von 1920 wurden der Herzogstuhl wie der Fürstenstein zusehends Objekt nationaler Agitation. Heute stellt er ein Symbol der "Selbständigkeit und Eigenberechtigung des Landes Kärnten" dar (M. Wutte und G. Moro) und gilt als eines der ehrwürdigsten Rechtsdenkmäler Österreichs.


Wilhelm Deuer

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Literatur: A. Ogris, Fürstenstein und Herzogstuhl – Symbole der Kärntner Landesgeschichte im Widerstreit ethnischer und territorialer Tendenzen in der slowenischen Geschichtsschreibung, Publizistik und Politik. In: Carinthia I 183 (193), 729ff.; Der Kärntner Herzogstuhl im Wandel der Geschichte. In: W. Neumann, Bausteine zur Geschichte Kärntens. Festgabe für Wilhelm Neumann zum 70. Geburtstag (= Das Kärntner Landesarchiv 12, Klagenfurt ²1994), 15-23.