Türring aus Andelsbuch

Türring aus Andelsbuch

In: Ostarrîchi - Österreich 996-1996. Menschen, Mythen, Meilensteine. Katalog der Österreichischen Länderausstellung in Neuhofen an der Ybbs und St. Pölten. Herausgegeben von Ernst Bruckmüller und Peter Urbanitsch. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 388. – Horn: Berger 1996. XXIV, 736. 4°. Objekt-Nr.: 2.08, S. 39.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Vorarlberger Landesmuseum (Bregenz, Vorarlberg), G 185
Türring aus Andelsbuch

© Vorarlberger Landesmuseum, Bregenz


Süddeutsch (?), 2. Viertel bis Mitte 12. Jahrhundert
Bronze, Durchmesser horizontal 21,4 cm, Durchmesser vertikal 20,9 cm

Das einzige bekannte romanische Kunstwerk des Bregenzerwaldes besteht aus drei deutlich voneinander abgesetzten Teilen: Aus einer Grundplatte mit durchbrochen gearbeitetem Ornament (gegeneinander versetzte, stilisierte Palmetten, die durch S-förmige Spangen miteinander verbunden sind), einem ausdrucksvollen, schweren Löwenkopf und dem eigentlichen Ring. Der relativ natürlich gebaute Tierkopf scheint quasi additiv aus Einzelteilen zusammengesetzt: angedeutete Stirn, die Augen hart eingeschnitten, leicht bewegte Lefzen, hundeartige Nase, breites Maul mit unregelmäßigen Zähnen und kleine spitze Ohren. Eine Mähne ist durch stilisierte Löckchen über der Nasenwurzel und je eine um die Ohren gelegte Strähne nur angedeutet.
Eine Datierung der Löwenmaske muß, da archäologische und schriftliche Quellen weitgehend fehlen, ausschließlich über stilkritische Kriterien erfolgen: Vergleichbare Türzieher, v.a. aus Alpirsbach, aus Puy-en-Vélay und Klosterreichenbach, legen einen Entstehungszeitraum um die Mitte des 12. Jahrhunderts nahe. Die in der Chronik des Klosters Petershausen bei Konstanz für Andelsbuch nachgewiesene Klosterfiliale, die um 1080 von dessen Reformabt Theoderich gegründet worden sein dürfte, war wenige Jahre später (1094 oder 1097) zugunsten eines Klosters in der "Au am See" (Mehrerau bei Bregenz) bereits wieder aufgegeben. Offenbar war aber das klösterliche Bethaus aus Holz kurz darauf in eine Steinkirche, an welcher der bronzene Türring angebracht war, umgewandelt worden.


Gerhard Grabher


Literatur: U. Schubert, Der Türring aus Andeisbuch. In: JbVLM 1966, 191 ff; K. Spahr, Die vorromanische und romanische Kunst. In: K. Ilg (Hg.) Landes- und Volks- kunde, Geschichte, Wirtschaft und Kunst Vorarlbergs 4 (Innsbruck-München 1967) 38 ff; U. Mende, Die Tür- zieher des Mittelalters (= Bronzegeräte des Mittelal- ters 2, Berlin 1981) 236, Nr. 68.