Das Jagdfrühstück

Das Jagdfrühstück

In: Jagd einst und jetzt. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloß Marchegg vom 29. April bis 15. November 1979. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Bearbeitet von Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 77. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1978. 468. 8°. Objekt-Nr.: 488, S. 405.

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Leihgeber: Otto Graf Abensperg-Traun, Schloss Petronell (Niederösterreich)
Das Jagdfrühstück

© Otto Graf Abensperg-Traun, Schloss Petronell


Öl auf Leinwand, 150,5 x 306 cm.

Dieses Bild aus dem Schloß Petronell, um 1710, zeigt Otto Ehrenreich I. Abensperg und Traun mit seiner Familie, seinen Gästen mit Jagdpersonal und Hausgesinde bei einer Rast während einer Parforçe-Jagd auf Hasen auf einer Anhöhe südlich des Schlosses mit Blick auf die Leithaniederungen. Otto Ehrenreich I. war der typische Feudalherr der Barockzeit, Landmarschall zu Österreich unter der Enns, Obersterblandpannierträger zu Österreich ober und unter der Enns, Geheimer Konferenzrat und Ritter des goldenen Vließes. Er war Inhaber der Herrschaften Petronell, Traun, Bisamberg, Maissau, Rappottenstein, Bockfließ, Großschweinbarth, Egloffs in Schwaben und Abensberg in Bayern sowie der Palais in Wien und Linz. Wir sehen ihn als Jagdherrn rechts an einen Baum gelehnt, hinter ihm sein Haushofmeister. Nach der strengen Hierarchie seiner Zeit sitzt zu seiner Rechten seine (3.) Gemahlin Maria Elisabeth, zu ihrer Rechten der Ehrengast Graf Harrach; zu seiner Linken sehen wir seinen ältesten Sohn Franz Anton (aus 1. Ehe) und daneben den jüngsten Johann Adam (aus 3. Ehe), sowie einen weiteren Gast, den Freiherrn von Walterskirchen. Das Hausgesinde richtet das Essen, während das Jagdpersonal bereits ausschwärmt. Bei der Aufstellung der Pferde wird sogar die Rangordnung eingehalten: Sein Pferd mit dem schönsten Sattelzeug, steht allein, gegenüber die Pferde der übrigen Jagdgäste, das Pony des jüngsten Sohnes an der Seite. Man beachte weiters den Wagen für die Hundemeute; die verschiedenen Uniformen des Jagd- und Hauspersonals; den strengen Blick des Haushofmeisters, der alles überschaut, und schließlich den Umstand, das bei dem Ort Rohrau an der Leitha das Harrachsche Schloß fehlt. Es würde dem feudalen Geist der Barockzeit wiedersprechen, wenn auf einem so wichtigen Gemälde für einen so hohen Herren, der so viele eigene Schlösser hat, ein fremdes Schloß abgebildet sein würde! Wichtigste Zeit im Leben Otto Ehrenreichs war das Türkenjahr 1683, als der damalige Landmarschall in Wien von den Türken belagert, festgehalten war und Otto Ehrenreich den militärischen und zivilen Widerstand in Niederösterreich organisieren mußte. Er hat im Auftrag und im Namen des Kaisers König Sobiesky im Marchfeld begrüßt und diesen und sein Heer über eine von Otto Ehrenreich in Auftrag gegebene Notbrücke bei Tulln über die Donau in den Wienerwald geführt. Damit war die Voraussetzung für den Sieg über die Türken gegeben, Österreichs Großmachtstellung gesichert und das christliche Abendland gerettet. Otto Ehrenreich hat noch drei weitere Jagdbilder derselben Größe bei seinem Hausmaler in Auftrag gegeben: "Die Parforçejagd" in der Ebene östlich von Petronell vor den Hundsheimer Bergen, "Die Rehjagd in den Petroneller Auen" und schließlich "Die Wolfsjagd", die seinen ältesten Sohn, der mit einer Gräfin Palffy aus Marchegg verheiratet war, zeigt, vermutlich in einem Revier seines Schwiegervaters in den kleinen Karpaten.


Gerhard Winkler