Radschloßbüchse

Radschloßbüchse

In: Jagd einst und jetzt. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloß Marchegg vom 29. April bis 15. November 1979. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Bearbeitet von Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 77. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1978. 468. 8°. Objekt-Nr.: 321, S. 358.

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Leihgeber: Deutsches Jagd- und Fischereimuseum (München, Deutschland), 2486
Radschloßbüchse

© Deutsches Jagd- und Fischereimuseum, München


Ansbach, 1719. – Der Träger dieser Waffe, die sich durch zwei Besonderheiten, Einstecklauf und Hahnenspanner, auszeichnet, war Wilhelm Friedrich Markgraf von Brandenburg, 1685-1723.

Kantiger, silbertauschierter Lauf, in dessen Zügen ein glatter, kleinkalibrigerer Einstecklauf eingeschoben werden kann. Die Mündung ist "Haman a Anspach 1719" bezeichnet. Das Hahnenspannschloß eisengeschnitten und graviert: Diana mit Hirschgespann; der durchbrachen eisengeschnittene Hahn mit der Darstellung Aktäons, auf der Federplatte Triton; der Hebelarm des Hahnes ist "Iean Pierre Aman a Anspach" signiert. Geschnitzter französischer Schaft mit eisengeschnittener Montierung. Doppelter Ladestock, doppeltes Pulvermaß. Einsteckläufe, wie wir sie bei modernen Waffen zur Munitionsersparnis bei Schießübungen haben, sind keine Erfindung neuerer Zeit, sondern kommen bereits im 17. Jahrhundert vor. Der Büchsenmacher Sigmund Klett in Salzburg-Ebenau konstruierte im Jahr 1653 ein doppelkalibriges Gewehr durch Einsatz eines zweiten, kleinkalibrigeren glatten Laufes in den gezogenen Lauf. Das von I. P. Haman gearbeitete Gewehr geht auf diese Klettsche Erfindung zurück.
Wie schon erwähnt, hat dieses Gewehr gleichzeitig eine weitere Besonderheit, ein Selbstspannschloß. Hahnenspannschlösser kommen in verschiedenen Typen vor. Das Spannen des Rades erfolgt durch das Aufklappen des Hahnes, wodurch eine Zahnstange das Rad spannt. Bei dieser Büchse kann das Schloß ebenso mit einem Schlüssel gespannt werden. Der erforderliche Kraftaufwand ist beim Spannen mit Schlüssel durch die Hebelwirkung geringer.


Gerhard Winkler


Literatur: Katalog Deutsches Jagdmuseum, 1977, S. 85.