Jagdbüchlein

Jagdbüchlein

In: Jagd einst und jetzt. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloß Marchegg vom 29. April bis 15. November 1979. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Bearbeitet von Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 77. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1978. 468. 8°. Objekt-Nr.: 205, S. 329.

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Leihgeber: MAK, Österreichisches Museum für angewandte Kunst (Wien), 1347 (O.I.14)
Jagdbüchlein

© MAK, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien


Jagdbüchlein von Jost Amman. "Künstliche wolgerissene New Figuren, von Allerlai Jag vnd Weidtwerck / durch den kunstreichen Jost Ammon / Wonhafft zu Nürnberg / an Tag gebracht. Allen Liebhabern / Als Malern / Goldschmidt / Bildhauwern / und welche lust zur Kunst haben, zu Ehren...Frankfort am Main, bei Martin Lechler / in verlegung Sigmund Feyerabends 1582". 18 x 13 cm.
In Anlehnung an Du Foilloux's "La venerie". 40 Holzschnitte mit verschiedenen Jagddarstellungen und einem Porträt Sigmund Feyerabends.

Lateinische und deutsche Verse. Die Holzschnitte sind von insgesamt fünf verschiedenen Formschneidern signiert. Signaturen: IA – Jost Amman (auf Blatt A 3 u. E 4) – CM (auf Blatt C 4 und D 1) – HS (Thieme-Becker, Band 37, auf S. 412) (auf Blatt D 1 und F 3) – LF (auf Blatt F 1) und MB (Thieme Becker, Band 37, S.432) (auf Blatt F 4 und H 3). Die Darstellungen sind künstlerisch nicht gerade besonders wertvoll, sind aber kulturgeschichtlich von großem Interesse. Blatt 3 zeigt z. B. die Jäger, die auf Gemsen- und Steinbockjagd ausgehen, beim Anlegen von Steigeisen und bei der Verwendung von langen Gemsenstangen. Interessant ist auch die Darstellung der Dachsjagd (Blatt 6) mit Hacken und Fangschlingen. Blatt 8 zeigt eine eingestellte Wildschweinjagd mit Spießen und Sauschwertern, Blatt 15 zeigt Hunde mit Stachelhalsbändern bei der Bärenjagd. Blatt 17 berichtet, aus welchen Ländern Hunde eingeführt wurden (z. B. Spanien, England, Flandern). Blatt 28 läßt uns einen Wachtelfang unter Zuhilfenahme einer Rinderattrappe, die von zwei Männern getragen wird, erleben. Daneben sieht man auch noch die Verwendung von Blendlaternen und eines Fallnetzes, das an einer langen Stange befestigt ist. Besonders wichtig für das Brauchtum die Darstellung des Jägerrechtes auf Blatt 34: "Ein Fuß wird abgelöst vom Wildt, welcher dem Herren und Fürsten mildt wirdt presentiert mit allem fleiß also hält sich der Jäger weis." Aufgeschlagen sind die zweite und dritte Darstellung, die das Anlegen einer Wolfsspur und die Jagd im Hochgebirge zeigen. Der Holzschnitt mit der Darstellung der Gemsen- und Steinbockjagd mit den Initialen Jost Ammans links unten bezeichnet.


Gerhard Winkler