Lüsterweibchen

Lüsterweibchen

In: Jagd einst und jetzt. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloß Marchegg vom 29. April bis 15. November 1979. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Bearbeitet von Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 77. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1978. 468. 8°. Objekt-Nr.: 13, S. 244.

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Leihgeber: Museum Carolino Augusteum (Salzburg), 489/31
Lüsterweibchen

© Museum Carolino Augusteum, Salzburg


Um 1425.
Holz, Höhe der Büste 37 cm.

Das Lüsterweibchen mit einem Damhirschgeweih besitzt Reste der ursprünglichen Fassung. Dieses älteste bekannte Exemplar eines Leuchter- oder Lüsterweibchens ist, bezeichnenderweise, aus der letztlich parlerischen Form der Büste mit dem schaufelartig verbreiteten Geweih eines Damhirsches zu einem an einer Kette von der Decke herabhängenden Beleuchtungskörper gebildet worden. Vornehmlich im 16. Jahrhundert fand diese Leuchtform eine weite Verbreitung im süddeutschen Raum, wobei diese meistens aus Halbfiguren und Geweihstangen in Sirenengestalt komponiert wurde. Bekrönt mit einem wulstartigen Turban, fällt das Haar des Lüsterweibchens in welliger Strähnung zu Seiten des runden, festen Gesichts herab, wie es an vielen weiblichen Heiligen in Salzburg fast stereotyp zu finden ist. Die dieser Form der Büste entsprechend gestaltete Rundung der Brust ziert ein Edelstein. Aus stilistischen Gründen wird man das Lüsterweibchen in die Zeit um 1425 datieren müssen.


Gerhard Winkler


Literatur: Ausstellungskatalog "Spätgotik in Salzburg. Skulptur u. Kunstgewerbe", Salzburg 1976, S. 71, Kat. Nr. 75, Farbtafel VI.