Fragment eines Wappenbechers

Fragment eines Wappenbechers

In: Die Kuenringer. Das Werden des Landes Niederösterreich. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Stift Zwettl vom 16. Mai bis 26. Oktober 1981. Redigiert von Herwig Wolfram, Karl Brunner und Gottfried Stangler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 110. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1981. XXXI, 748. 8°. Objekt-Nr.: 851, S. 620.

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Leihgeber: Museum der Stadt Regensburg (Deutschland), K 1966/91
Fragment eines Wappenbechers

© Museum der Stadt Regensburg


Syrien oder Venedig, Werkstatt des Meisters Aldrevandin (?), um 1260 bis 1290.
Farbloses Glas mit Emailmalerei auf der Innen- und Außenwandung in Weiß, Rot, Blau und Gelb, zu zwei Dritteln gesichert ergänzt. Höhe = 11 cm, Randdurchmesser = 10,5 cm.

Auf der konischen Wandung ist zwischen stilisierten Blüten ein (nicht identifiziertes) Wappenfragment zu erkennen. Darüber läuft ein Schriftband in weißen gotischen Majuskeln: (AVE MA)RI(A) GRACI(A PLENA). Becher des gleichen Typs mit der "Signatur" eines Magisters Aldrevandin, heute in London und Frankfurt, lassen auf dieselbe Herstellerwerkstatt schließen. Sie befand sich entweder in Akkon (Syrien) oder in Venedig. Vermutlich wurden die im Fernhandel erworbenen syrischen Gläser auf deutsche Bestellung in Venedig bemalt, wie die christliche Aufschrift und das Wappen verraten möchten. Jedenfalls wird der Name "accrischer glaz" (Glas aus Akkon) in dem Nachlaßinventar eines niederbayerischen Ritters aus dem 14. Jahrhundert überliefert. Die Glasfragmente wurden 1934 beim Ausbau des ehemaligen Domherrenhofs in der Schäffnerstraße aufgefunden und stammen demnach wahrscheinlich aus dem Besitz der höheren Geistlichkeit. Weitere Fragmente syrischer Emailgläser wurden im Bereich des ehemaligen St.-Klara-Klosters entdeckt.


Veit Loers


Literatur: W. PFEIFFER, Magister Aldrevandin me fecit. VHOR 106 (1966) 206-220. – W. PFEIFFER, "Akrische Gläser", Journal of Glass Studies 12 (1970) 67-69. – Glaskatalog, Museum der Stadt Regensburg (1978) Nr. 16. – Katalog: Wittelsbach und Bayern I/2 (1980) 59.