Minnekästchen

Minnekästchen

In: Die Kuenringer. Das Werden des Landes Niederösterreich. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Stift Zwettl vom 16. Mai bis 26. Oktober 1981. Redigiert von Herwig Wolfram, Karl Brunner und Gottfried Stangler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 110. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1981. XXXI, 748. 8°. Objekt-Nr.: 845, S. 618.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe
Minnekästchen

© U. Otto, Wien


Buchsholz, mit blauem, gemustertem Seidenstoff gefüttert. Als Füße dienen vier facettierte Jaspisknöpfe, 31 x 16 cm, 12 cm hoch (Inv.-Nr. 118). Ober- oder mittelrheinisch, um 1460/70.

Die Schnitzereien des Deckels und der vier Seitenwände stellen Szenen aus dem Leben der" Wildleute" dar, in der mittelalterlichen Volkssage Personifikationen der sich in Wald und Flur regenden Naturkräfte. Den Reliefs der Seitenwände liegen als Vorlagen Kupferstiche des "Meisters der Nürnberger Passion" bzw. Kupferstiche des "Meisters der Bandrollen" zugrunde; für die Darstellung des Deckels diente wahrscheinlich eine verlorengegangene Komposition des Meisters ES (oder ein Werk aus seiner allernächsten Umgebung) als Vorlage. Die Jaspisfüße sind Ergänzungen aus dem späteren 15. oder frühen 16. Jahrhundert.


Hermann Filitz


Literatur: J. v. SCHLOSSER, Album, Taf.IV, 2/3. – H. KOHLHAUßEN, Minnekästchen im Mittelalter (1928) 94ff., Nr. 87. – F. RUPP, Ein deutsches Minnekästchen der Spätgotik, in: Jb. der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien 50 (1953) 107ff. – Katalog des Kunsthist. Mus. Slg. f. Plastik u. Kunstgew. 1, Mittelalter (1964) 62, Nr. 163. – Katalog der Ausstellung "Wild Folk: Medieval Myth and Symbolism", New York, The Cloisters, 8.10.1980 bis 12.1.1981.