Liber Extra

Liber Extra

In: Die Kuenringer. Das Werden des Landes Niederösterreich. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Stift Zwettl vom 16. Mai bis 26. Oktober 1981. Redigiert von Herwig Wolfram, Karl Brunner und Gottfried Stangler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 110. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1981. XXXI, 748. 8°. Objekt-Nr.: 284, S. 265.

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Leihgeber: Augustinerchorherrenstift Klosterneuburg (Niederösterreich), Codex 99
Liber Extra

© A. Haidinger, Klosterneuburg


Pergament, 276 Blätter, 460 x 280. Bologna, um 1300.

Im Auftrag Papst Gregors IX. legte dessen Kaplan, der Dominikaner Raimund von Peñafort, eine Sammlung außerhalb des Decretum Gratiani vazierender Gesetzestexte an – daher die Bezeichnung "Liber Extra (vagantium canonum)" –, die 1234 durch die Bulle "Rex pacificus" promulgiert wurde. Damit verloren alle früheren Sammlungen mit Ausnahme des Decretum Gratiani ihre Gültigkeit und war ein bis 1918 in Kraft bleibendes, einheitliches Gesetzbuch für die ganze Kirche geschaffen worden. In der Handschrift ist der Haupttext – wie üblich – von der Glossa Ordinaria (vgl. STELZER, S. 267ff.) des Bernhardus Parmensis († 1266) umgeben. Der Kodex enthält neben rund 300 Deckfarbeninitialen sechs der einleitenden Promulgationsbulle und jedem der fünf Bücher vorangestellte Miniaturen.
Aufgeschlagen Blatt 1v bis 2r: Zu Beginn der Promulgationsbulle auf 1v ein Dedikationsbild: Papst Gregor IX. nimmt die Dekretalensammlung aus den Händen ihres Kompilators, des Dominikaners Haimund von Peñafort, entgegen. Die dem ersten Buch vorangestellte Szene auf 2r zeigt den erhöht thronenden Christus, der die Häupter der beiden ihn flankierenden Apostelfürsten berührt, die sich in gebückter Haltung nähern. Wie beim "Decretum Gratiani" liegt wohl auch dieser Szene, die in ihrer Ikonographie an seit der Spätantike überlieferte Traditio-legis-Darstellungen erinnert, der Gedanke von Christus als Gesetzgeber zugrunde.



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Literatur: PFEIFFER-CERNIK, Klosterneuburg 1, 67f.