Öffentliche Badstube

Öffentliche Badstube

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 14.03.04, S. 294.

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Öffentliche Badstube

© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung


Reproduktion nach einer Miniatur in einer Valerius-Handschrift, Italien um 1470.
Photoreproduktion; Original: Valerius Maximus: De dictis et factis Romanorum, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin, Depot Breslau 2, Ms. Rehd 2, Blatt 244r

In den Badehäusern, in denen sich weite Kreise der städtischen Bevölkerung regelmäßig nicht nur zum Baden, sondern auch zur Unterhaltung mit Karten- oder Würfelspiel, zum Speisen und zum Liebesspiel trafen, fehlte auch die musikalische Begleitung nicht.
Die Miniatur zeigt in eindrucksvoller Weise das Treiben in einer mittelalterlichen Badstube. Es wird von einem König von außen beobachtet und von einem geistlichen Berater kommentiert. Schilderungen öffentlicher Badstuben liegen bereits aus dem 12. und 13. Jahrhundert vor. In Paris zählte man am Ausgang des 13. Jahrhunderts 26 Badehäuser. Im 15. Jahrhundert waren es in Ulm elf, in Frankfurt am Main 15 und in Wien 29. Vielerorts gerieten die Badehäuser in Verruf. Regelmäßig wurde den Besuchern seitens der Geistlichkeit Unzucht und Müßiggang vorgeworfen.
Die Sammlung "Denkwürdiger Taten und Aussprüche" (Factorum ac dictorum memorabilium libri IX) des Valerius Maximus, gewidmet Kaiser Tiberius (14-37 nach Chr.), war im Mittelalter als historisch-moralisches Kompendium von Exempla seit dem 9. Jahrhundert bekannt und fand besonders ab dem 14. Jahrhundert starke Verbreitung. Aus dem späten Mittelalter liegen so viele Handschriften vor, dass man den Eindruck gewinnt, in humanistischer Zeit sei das Allermeiste, was man an Beispielen und anekdotenartigen Geschichten aus dem Altertum kannte und zitierte, dieser Sammlung des Valerius entnommen worden.


Günther Hödl


Literatur: F. BRUNHÖLZL, Valerius Maximus. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 8 (München 1997), Sp. 1390f.
Margit BACHFISCHER, Musikanten, Gaukler und Vaganten. Spielsmannskunst im Mittelalter (Augsburg 1998), S. 182f.