Die Friesacher Badstube

Die Friesacher Badstube

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 14.03.03, S. 292.

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Leihgeber: Dominikanerkloster Friesach (Kärnten); Standort: Museum der Stadt Friesach (Kärnten)
Die Friesacher Badstube

© Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt (Alfons Poschinger)


Friesach, 24. Februar 1251
Höhe 12 cm, Breite 27 cm; Pergament; die ursprünglich am Pergamentumbug (Plica) befestigt gewesenen vier Siegel fehlen

Detailreich wird hier das Bestreben der Dominikaner geschildert, ihr Klosterareal zu erweitern. Dazu war die Ablöse und Verlegung einer Badstube erforderlich, deren Betreiber sie den Bau einer unterirdischen Wasserleitung über ihren Grund gestatteten.
Diese Urkunde ist zugleich eines der wichtigsten Dokumente zur älteren Stadtgeschichte von Friesach. Sie zeigt, dass die Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts anders verlief als die heutigen Stadtmauern. Das Dominikanerkloster lag 1251 noch "im Sack" außerhalb der Stadtmauer (diese wurde erst im 14. Jahrhundert um die Rotturmanlage erweitert). Schon 1255 wurde das Kloster in die ummauerte Stadt an seinen heutigen Standort verlegt, bildete aber nach der Errichtung der zweiten Stadtbefestigung im frühen 14. Jahrhundert einen Teil der unbefestigten nördlichen (Neumarkter) Vorstadt.
Stadtgeschichtlich bemerkenswert sind an der Urkunde weiters die Erwähnung der Friesacher Pfennige, die Nennung eines Stadtrichters und die lange Zeugenreihe mit Bürgern aus der Oberschicht der Stadt, die interessante Herkunfts- und Berufsnamen tragen.
ÜBERSETZUNG
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Da menschliche Geschäfte oft von der Krankheit des Alters ergriffen werden und die Nachwelt die Kenntnis von ihnen verliert, wenn nicht in einer Urkunde festgehalten wird, was wir für nützlich erachtet haben, ordnen wir deren Bewahrung mit einer solchen an.
Es sei daher kundgetan allen Christgläubigen, sowohl den Gegenwärtigen als auch den Zukünftigen, dass der Konvent der Brüder des Friesacher Predigerordens wegen seiner räumlichen Beengtheit über Vermittlung des Herrn Heinrich von Silberberg alle Parzellen zwischen seinem Haus und dem Stadtgraben, die außerhalb der Mauern desselben Richtung Osten gelegen sind, um 20 Mark Friesacher Pfennige erworben und zur Ausweitung mit seinem Areal verbunden hat. Von diesem Geldbetrag wurden 14 Mark dem Herrn Liebhard, Bürger zu Friesach, gegeben, auf dessen Grund eine Badstube gelegen war, und zwar unter der Bedingung, dass er seine Baulichkeiten von dieser seiner Parzelle innerhalb die Mauern der Stadt verlege und die obere, in den Felsen gelegene Quelle, die durch einen Garten der Brüder fließt, den er schon früher den Brüdern für sein und seiner Ehefrau Lieba Seelenheil geschenkt hatte, mit einer unterirdischen Wasserleitung durch jene Parzelle, die wir von ihm gekauft haben, durchleiten dürfe. Falls diese Leitung unterbrochen wird, räumen wir sowohl ihm als auch seinen Nachfolgern das Recht ein, diese zu reparieren.
Damit aber diese Rechtshandlung Glaubwürdigkeit erlangt, wurde zur Bezeugung und Bekräftigung der Wahrheit die vorliegende Urkunde durch den Schutz der angehängten Siegel bekräftigt.
Dieses ist geschehen im Jahr der Gnade 1251, am Fest des heiligen Matthias unter dem Prior Otto II., dem Subprior Bertoldus, dem Prokurator Albertus und den anwesenden Brüdern Johannes, Vernherus, Chunradus Sueuus sowie mit der Zustimmung aller übrigen Brüder. Die Zeugen dieses Rechtsgeschäftes sind folgende: Heinricus Speculum, Guntherus der Ältere, Chunradus Smelzer, Thiemo von Neumarkt, Herr Ulricus Chouertelus der Jüngere, Herr Witinarus, der Stadtrichter Guntherus, Heinricus von dem Turm, Thomas, Antonius, Engelbertus, Goppoldus porcellus, Pernoldus und andere mehr.
Übersetzung Wilhelm Wadl


Wilhelm Wadl


Literatur: Wilhelm WADL, Friesachs historische Entwicklung. In: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach. Bearb. von Barbara Kienzl. Red. von Ulrike Steiner (= Österreichische Kunsttopographie 51, Wien 1991), S. 11.