Aderlassmännchen

Aderlassmännchen

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 14.03.01, S. 291.

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Leihgeber: Universitätsbibliothek Innsbruck (Tirol), 208.355
Aderlassmännchen

© Universitätsbibliothek Innsbruck, Abt. für Sondersammlungen (Frischauf Bild)


In: Gregor Reisch, Margarita philosophica, Freiburg/Br. 1503.
Höhe 22,5 cm, Breite 16 cm; Papier, Druck mit Holzschnitten, 301 Blatt

Das Männchen dient zur Lokalisierung der beim Aderlass zu schneidenden Körpervenen.
Der Aderlass stellte die bekannteste und sehr weit verbreitete therapeutische Maßnahme bei vielen Krankheiten dar. Doch auch dem gesunden Menschen wurden vorbeugende Aderlässe zwei- bis viermal pro Jahr empfohlen. Der richtige Zeitpunkt war vom Stand der Gestirne abhängig. Die Stellung des Mondes und die Korrespondenz der Organe mit den Tierkreiszeichen waren ausschlaggebend. Der heute wieder sehr modern gewordene "Mondkalender" basiert auf diesem alten Wissen.
Gregor Reisch (geboren um 1467, gestorben 1525), der Verfasser der Handschrift, war Kartäuserpater (Prior in Freiburg im Breisgau), Gelehrter und Beichtvater von Kaiser Maximilian I. Die "Margarita" war sein Lebenswerk und erlebte von 1503 an rund ein Dutzend Auflagen. Über hundert Jahre lang zählte sie zu den "libri admissi", zu den vorgeschriebenen Lehrbüchern an den hohen Schulen Deutschlands. Das enzyklopädisch angelegte Werk gliedert sich in zwölf Bücher und umfasst die Sieben freien Künste sowie Naturphilosophie, Naturkunde, Physiologie, Psychologie und Ethik.


Claudia Sporer-Heis, Barbara Maier


Literatur: Circa 1500. Landesausstellung 2000 Mostra storica. Leonhard und Paola, ein ungleiches Paar – De ludo globi. Vom Spiel der Welt – An der Grenze des Reiches. Red. von Marco Abate (Genève/Milano 2000), S. 185.
Robert von Srbik, Maximilian I. und Gregor Reisch. Hrsg. von Alphons Lhotsky (= Schriften des DDr. Franz Josef Mayer-Gunthof-Fonds/Archiv für österreichische Geschichte 122, 2, Wien 1961).