Marientod

Marientod

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 13.03.01, S. 257.

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Leihgeber: Landesmuseum für Kärnten (Klagenfurt), 224
Marientod

© Landesmuseum für Kärnten, Klagenfurt (U.P. Schwarz)


Steirisch (Admont ?), um 1500/1510, aus der Stiftskirche Mariä Himmelfahrt in Ossiach
Höhe 155 cm, Breite 153 cm, Tiefe 7,5 cm; Holztafel mit Originalrahmen

Nach einer graphischen Vorlage aus dem "Marienleben" von Israhel van Meckenem geschaffen, bietet das Werk einen detailreichen Einblick in eine bürgerliche Schlafkammer um 1500.
Der Maler versuchte den räumlichen Bildaufbau so sorgfältig wie möglich zu gestalten: ein außergewöhnlicher, Marmor imitierender Bildrahmen, der mehrfarbige Fliesenboden, profiliertes Steingewände an der Tür und beim Fenster im Hintergrund sowie die geschnitzte Bettlehne. Auf dem kleinen Holztisch im Bildvordergrund sind außerdem realienkundlich interessante Gebrauchsgegenstände dargestellt: z. B. ein Stundenglas, das Beutelbuch und ein Trinkbecher sowie ein Henkelkrug mit einer Waschschüssel. Auf dem Boden, direkt vor dem Bett, steht ein hoher Kerzenleuchter aus Metallguss.
Auf dem zur Bildebene parallel gestellten Himmelbett ruht Maria, halb aufgerichtet und an ein Kissen gelehnt; um sie versammeln sich die in Trauer versunkenen Apostel, manche mit Gebetbuch und liturgischem Gerät, und bereiten sich auf die Abschiedszeremonie vor.
Johannes Evangelista reicht Maria die brennende Sterbekerze, auf der anderen Seite der Gruppe, am rechten Bildrand, erkennen wir Petrus mit dem Weihwasserwedel, der wie Johannes durch ein reiches Brokatmuster im Gewand hervorgehoben wird.
Die Figurentypen sowie die Behandlung des Bildraums und der Draperie enthüllen einen noch durchwegs gotisch eingestellten Künstler. Markante Gesichter mit eingefallenen Wangen, Haare mit Weißhöhungen und graphisch betonte Gewandfalten verweisen auf den steirischen Kunstraum, genauer auf die Gruppe um den Meister des Admonter Apostelabschieds. Die monumentale Auffassung der Tafel und ihre ikonographischen sowie stilistischen Besonderheiten lassen vermuten, dass sie in einem gehobenen klösterlichen Ambiente entstanden ist, möglicherweise in Admont oder in Ossiach selbst. Am ehesten kann man sich die Tafel als ein Epitaphbild, ergänzt um eine Inschrifttafel mit Wappen und Insignien des Stifters, vorstellen.


Robert Wlattnig


Literatur: Janez HÖFLER, Die Tafelmalerei der Dürerzeit in Kärnten (1500-1530) (= Aus Forschung und Kunst 32, Klagenfurt 1998), Nr. 39.