Hofämterspiel

Hofämterspiel

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 13.02.14, S. 247.

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Hofämterspiel

© Fa. Piatnik Wien


Wien, vor 1460
48 Blatt, jeweils ca. Höhe 14 cm, Breite 10 cm; Holzschnitte (Schwarzzeichnung) mit Aquarell- und Deckfarben unter Verarbeitung von Blattsilber und Blattgold, handausgemalt; die Aufschriften mit Tusche, die Rückseiten schwarz eingefärbt; Blätter aus zu Spielkartenstärke verleimten Papierschichten.
Faksimile-Ausgabe der Firma Piatnik, Wien

Das Hofämterspiel ist eines der frühesten, vollständig mit 48 Blatt erhaltenen Kartenspiele und ein hervorragendes Kulturdenkmal des 15. Jahrhunderts.
Das Kartenspiel kommt in Formen, wie wir sie noch heute kennen, um die Mitte des 13. Jahrhunderts aus dem Orient nach Europa. Seine weitere Entwicklung ist eng mit der Einführung des Holzschnitts verbunden.
Das Hofämterspiel hat seinen Namen von den Berufsdarstellungen, die auf den meisten seiner Blätter zu sehen sind und die Aufgabenbereiche in der Nähe, am Hofe also, eines Königs oder Fürsten betreffen. Aufgeteilt auf die vier Königreiche Deutsches Reich, Frankreich, Böhmen und Ungarn – jeweils ersichtlich an den Wappen – werden nach König und Königin von X bis I die verschiedenen Ämter und hofnahen Berufe gezeigt, im Falle des Deutschen Reichs etwa der Hofmeister, der Hofmarschall (Marschalk), der Hofkaplan (Capplan), der Truchsess, das Hoffräulein (Junckfraw), der Kellner, der Barbier, der Renner (Turnierkämpfer), der Bote und der Hofnarr. In den andern Königreichen begegnen wir auch der Hofmeisterin, dem Hofarzt, dem Kanzler, dem Hofschenken, den Kammer- und Küchenmeistern, den Falknern und Schützen, den Köchen und Schneidern, den Herolden und Trompetern etc.
Künstlerisch gesehen ist das Hofämterspiel ein nach Musterbuchmodellen in Holzschnittechnik ausgeführtes Werk. Es ist gegen 1460 in Wien entstanden und war möglicherweise dem Habsburger Ladislaus Postumus, König von Ungarn (1445-1457) und von Böhmen (1453-1457), zugedacht. Als Künstler kommt wohl der am Wiener Hof tätige Maler Hans von Zürich in Frage. In der Wahl der Figuren und in seinem hierarchischen Aufbau überliefert das Spiel einen Typus des späten 14. Jahrhunderts, wie er uns sonst nur aus schriftlichen Quellen bekannt ist. Schon bald nach den ersten Karten in Italien und am Oberrhein gab es mit diesem hervorragenden kulturgeschichtlichen Denkmal also auch im Osten des Reiches in der spätmittelalterlichen Haupt- und Residenzstadt Wien prachtvoll ausgestattete Spielkarten zum Zwecke höfischer Kurzweil.


Günther Hödl


Literatur: Hofämterspiel. Mit Beiträgen von Georg Kugler, Fritz Koreny, Detief Hoffmann und Michael Dummett (Wien ²1991).