Andachtsbild

Andachtsbild

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 13.02.13, S. 245.

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Leihgeber: Diözesanmuseum Klagenfurt (Kärnten)
Andachtsbild

© Kärntner Landesausstellungen (Ulrich Peter Schwarz)


Um 1430, aus der Filialkirche St. Johannes in Flattnitz
Höhe 30 cm, Breite 25,5 cm (inklusive Rahmen); Tempera auf Holz

Ein Kruzifix, ein Altärchen oder ein Andachtsbild mit der Funktion ähnlich einem "Herrgottswinkel" durfte in keinem bürgerlichen Haushalt fehlen.
Die Darstellung zeigt eine dicht gedrängte Figurenszene unter dem zentral und vor Goldhintergrund angeordneten Christuskreuz mit deutlicher Holzmaserung; am Fuß der Schädel und das Gebein des alten Adam. Der Körper Christi wird im Tode entkräftet und leidend wiedergegeben. Die halb geschlossenen Augen sind nach rechts, zu Longinus (Stephaton) mit der durchbohrenden Lanze hin gerichtet; von dessen Haupt eine Inschriftschleife mit "videbu(n)t in q(uem) transfixerunt" (Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben; Joh. 20,37) weht. Unter dem Kreuz – einander stützend – Maria Magdalena. Maria (mittig) und der heilige Johannes. Auf der rechten Bildseite in prunkvollem Harnisch der Hauptmann, der angesichts des Todes Christi dessen Göttlichkeit bezeugt, wie dem von seiner Hand ausgehenden Inschriftstreifen entnommen werden kann: "vere fili(us) d(e)i erat iste" (Wahrhaft, dieser war der Sohn Gottes; Matth. 27,54). Die mondartige Gesichtsform seines Schilds verweist wohl auf die Überwindung des Alten Testaments durch Christus.
Stilistisch wird die Darstellung dem künstlerischen Umkreis der Altmühldorfer Kreuzigung (Salzburg) zugerechnet. Die "vera icon" – das, Wahre Gesicht Christi bzw. Schweißtuch der Veronika – auf der Rückseite wird als Kopie des entsprechenden Gnadenbilds im Prager Veitsdom angesehen.


Eduard Mahlknecht


Literatur: Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. 10: Salzburg, Bayern und Tirol in der Zeit von 1400 bis 1500 (Berlin 1960), S. 12.
Kärntner Kunst des Mittelalters aus dem Diözesanmuseum Klagenfurt. Ausstellung in der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere vom 22. 12. 1970 bis 12. 4. 1971 und in der Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt vom 13. 5. bis 30. 6. 1971 (= Wechselausstellung der Österreichischen Galerie 65, Wien 1970), Kat.-Nr. 6.
Janez HÖFLER, Die Tafelmalerei der Gotik in Kärnten 1420-1500 (= Aus Forschung und Kunst 24, Klagenfurt 1987), Nr. 3, S. 36f.