Püsterich

Püsterich

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 13.02.01, S. 238.

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Leihgeber: Kunsthistorisches Museum (Wien), Kunstkammer, 5702
Püsterich

© Kunsthistorisches Museum, Wien


Oberitalien (?), 12. Jahrhundert
Höhe 13,5 cm; Bronze, gegossen; die Öffnung im Brustbereich ist eine spätere Beschädigung

Die im Mittelalter immer nackt und lebensnah dargestellten Figuren wurden als "Pusthilfen" beim Feuermachen eingesetzt.
Die kleine weibliche Gestalt konnte über eine im Nacken befindliche – nachträglich sorgfältig verschlossene – Eingussöffnung mit Flüssigkeit gefüllt werden. In die Glut gestellt, wurde der sich bildende Dampf durch kleine Löcher in Mund und Nase "ausgepustet" und damit das Feuer angefacht.
Schon in der Antike in zahlreichen Traktaten beschrieben, setzte man solche "Aeolipilae" noch in der Renaissancezeit bei Experimenten mit kinetischer Energie ein. Als Teil des Hausrats konnten sie etwa beim Anheizen von Badeöfen verwendet werden. Unter den mittelalterlichen Exemplaren, die immer mit betonten Geschlechtsteilen, meist in hockender oder kniender Haltung und mit der Geste der an die Stirn geführten Hand erscheinen, zeichnet sich der Wiener Püsterich durch die besonders lebensnahe Mimik mit gespitzten Lippen und geblähten Backen aus. Seine in der Literatur aus dem Vergleich mit einem Püsterich der ehemaligen Sammlung Hirsch abgeleitete Entstehung in Oberitalien bleibt angesichts nicht unwesentlicher stilistischer Unterschiede noch zu diskutieren.


Franz Kirchweger


Literatur: Ornamenta ecclesiae. Kunst und Künstler der Romanik. Katalog zur Ausstellung des Schnütgen-Museums in der Josef-Haubrich-Kunsthalle. Hugo Borger zum sechzigsten Geburtstag gewidmet. Hrsg. von Anton Legner, Bd. 1 (Köln 1985), Nr. A 31, S. 114f. (M. Pippal)
Kunsthistorisches Museum. Führer durch die Sammlungen (Wien 1988), S. 125 (H. Trnek).
Milano e la Lombardia in età comunale. Secoli XI - XIII. Ed. Nicolò Sponzilli (Milano 1993), Nr. 321, S. 415.
Eines Fürsten Traum. Meinhard II. Das Werden Tirols, Tiroler Landesausstellung 1995 im Schloß Tirol und im Stift Stams. Red. von Josef Riedmann (Dorf Tirol/Innsbruck 1995), Nr. 6.5, S. 190 (C. Grasser).