Zwei Fußbodenplatten

Zwei Fußbodenplatten

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 13.01.05, S. 236.

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Leihgeber: Germanisches Nationalmuseum (Nürnberg, Deutschland), A 10 und A 11
Zwei Fußbodenplatten

© Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg


Ulm, um 1300
Höhe 13 cm, Breite 13 cm, Tiefe 2,7 cm (A 10); Höhe 14 cm, Breite 13 cm, Tiefe 3 cm (A 11); gebrannter, roter Ton

Neben Estrich gehören Fußböden aus Natursteinplatten, Ziegeln oder Tonfliesen im Mittelalter zur Ausstattung klösterlicher, adeliger und auch gutbürgerlicher Wohnräume.
Mit Reliefschmuck – meist heraldische, tiergestaltige oder pflanzliche Motive – versehene "Bodenfliesen" waren Repräsentationsobjekte nur der vornehmsten Haushalte. Dass solche Zimmerböden jedoch nicht von jedermann wohlgelitten waren, bezeugt eine Quelle aus dem Jahr 1520. Mit der Begründung, dass solche Fliesen "zu kaldt" wären und er "das ciegeln pflaster nimer haben woldt", ließ damals der Propst des Chorherrenstifts Klosterneuburg in mehreren Stuben Fliesen- durch Bohlenfußböden ersetzen.
Die Fliesen stammen von einem Schmuckfußboden im Franziskanerkloster von Ulm. Man darf annehmen, dass die beiden zusammengehörigen Gegenstücke in einer Ulmer Werkstatt hergestellt worden sind, da in der Zeit um 1300 dort diesbezüglich bereits eine längere lokale Tradition bestand.


Frank Matthias Kammel


Literatur: Konrad Dietrich HASSLER, Schwäbische Fliese. In: Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben 14 (Ulm 1862), S. 7, T afel III, Abb. 3-4.
August von ESSENWEIN, Katalog der im germanischen Museum befindlichen Bautheile und Baumaterialien aus älterer Zeit (Nürnberg 1868), S. 6.